Dispozinsen: So teuer ist Dein Girokonto im Minus

05.11.367 Aufrufe1 Mal als hilfreich markiertZuletzt geprüft: 20.09.2026

Das Wichtigste in Kürze

Wer sein Girokonto überzieht, zahlt aktuell durchschnittlich 9,89 Prozent Dispozinsen – bei manchen Banken sogar bis zu 14 Prozent. Seit der Zinswende 2022 wird der eigentlich als kurzfristige Überbrückung gedachte Dispositionskredit für Millionen Deutsche zur teuren Kostenfalle. Besonders brisant: 6,6 Millionen Bürger:innen nutzen bereits den Dispo, während gleichzeitig die Inflation deine Kaufkraft schmälert.

Das Wichtigste in Kürze

  • Was sind Dispozinsen?: Erfahre, wie der Dispositionskredit funktioniert und warum er deutlich teurer ist als andere Darlehensformen.
  • Zinsdeckel in der Diskussion: Verbraucherschützer:innen fordern einen Höchstwert für Dispozinsen, da die Unterschiede zwischen Banken erheblich sind.
  • Folgen der Zinswende: Seit 2022 steigen die Dispozinsen deutlich an – von durchschnittlich 9,25 auf 9,89 Prozent innerhalb von sechs Monaten.
  • Verschuldungsrisiko durch Dispo: Hohe Inflation und steigende Zinsen lassen den Dispo zur gefährlichen Überschuldungsfalle werden.
  • Weitere Inhalte: Beiträge zu angrenzenden Themen.

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Was sind Dispozinsen beim Girokonto?

Wenn du ein Girokonto mit regelmäßigen Geldeingängen hast, räumt dir deine Bank in der Regel die Möglichkeit ein, es bis zu einer bestimmten Summe zu überziehen. Üblich ist dabei das Dreifache deines monatlichen Nettoeinkommens. Dieser flexible Kredit wird Dispositionskredit genannt – kurz Dispokredit oder einfach Dispo. Für Studierende gelten bei einem Studentenkonto oft besondere Regelungen, da sie meist kein festes Einkommen vorweisen können.

Nimmst du diese Überziehungsmöglichkeit in Anspruch, zahlst du dafür deutlich höhere Zinsen als bei einem Ratenkredit, der für eine bestimmte Zeit zu festgelegten Rückzahlungsraten abgeschlossen wird. Der Dispo ist als kurzfristige Überbrückung vorübergehender Liquiditätsengpässe gedacht und nicht als langfristige Lösung, um dir Geld von der Bank zu leihen. Eine Alternative für solche Engpässe sind Kurzzeitkredite, wie unsere Erfahrungen mit Vexcash zeigen.

📌 Good to know

2021 nutzten bereits 6,6 Millionen Bürger:innen in Deutschland den Dispositionskredit – ein Anstieg um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Diese Entwicklung zeigt, dass viele Kontoinhaber:innen trotz der hohen Kosten auf diese teure Kreditform angewiesen sind.

Die meisten Banken erlauben ihren Kund:innen zudem, ihr Konto über den vereinbarten Disporahmen hinaus zu überziehen. In solchen Fällen werden sogenannte Überziehungszinsen fällig, deren Satz noch deutlich über den Dispozinsen liegt. Allerdings nehmen immer mehr Banken davon Abstand und berechnen den Dispo ohne zusätzlichen Aufschlag. Überziehungszinsen fallen außerdem an, wenn dein Konto überzogen wird, obwohl die Bank dir gar keinen Dispokredit eingeräumt hatte. Dies ist beispielsweise bei einem Jugendkonto der Fall, das grundsätzlich nur auf Guthabenbasis geführt werden darf.

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Zinsdeckel für den Dispo in der Diskussion

Die Unterschiede bei der Höhe der Dispozinsen sind von Bank zu Bank teilweise erheblich. Für einige Finanzinstitute stellen die Einnahmen aus diesen Zinsen einen wichtigen Teil der Geschäftskalkulation dar. Daher fordern Verbraucherschützer:innen und einige Politiker:innen schon lange einen Zinsdeckel – also einen Höchstwert, der nicht überschritten werden darf und beispielsweise bei rund zehn Prozent liegen könnte. Doch bisher wurde ein solcher Schritt noch nicht umgesetzt, obwohl die Zinsspanne zwischen den günstigsten und teuersten Anbietern mehrere Prozentpunkte beträgt. Die Höhe der Dispozinsen ist daher ein zentrales Kriterium bei der Girokonto Auswahl.

Folgen der Zinswende: Zinsen für Dispokredite steigen deutlich

Die Höhe der Dispozinsen ist variabel und hängt von einem Referenzzins ab, wie beispielsweise dem Drei-Monats-Euribor oder dem EZB-Leitzinssatz. Steigt dieser Referenzzins, erhöhen die Banken in der Regel auch leicht zeitversetzt die Zinsen für den Dispo.

Während der langen Phase der Niedrigzinspolitik befanden sich die Zinssätze für den Dispositionskredit bereits auf vergleichsweise hohem Niveau. Seit der von der Europäischen Zentralbank (EZB) eingeleiteten Zinswende im Jahr 2022 steigen die Zinsen für eine Überziehung des Girokontos weiter an. Die Zeitschrift „Finanztest“ hatte im Mai 2022 einen Durchschnittszins von 9,25 Prozent ermittelt, nur sechs Monate später bereits von 9,89 Prozent. Dabei verlangte die teuerste Bank im November 2022 sogar knapp 14 Prozent Zinsen. Die Konditionen für ein Direktbank Girokonto können sich dabei von denen klassischer Filialbanken unterscheiden.

💡 Tip

Vergleiche regelmäßig die Dispozinsen verschiedener Banken. Bei einer durchschnittlichen Überziehung von 5.000 Euro im Jahr können schon wenige Prozentpunkte Unterschied mehrere hundert Euro Ersparnis bedeuten. Ein Kontowechsel zu einer Bank mit günstigeren Konditionen kann sich schnell lohnen. Ein Girokonto-Vergleich zeigt, welche Anbieter die besten Konditionen bieten.

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht die finanzielle Belastung: Wer sein Konto im Rahmen des Dispositionskredits im Schnitt um 5.000 Euro im Jahr überzieht, muss am Ende des Jahres bei den meisten Banken aufgerechnet bis zu 500 Euro oder mehr an Zinsen zahlen. Diese Summe entspricht mehr als einem durchschnittlichen Monatseinkommen vieler Haushalte. Mit einem Dispo-Rechner lassen sich die individuellen Zinskosten für den eigenen Überziehungsrahmen exakt ermitteln. Ein Umschuldungsrechner zeigt, wie hoch die Ersparnis bei einer Ablösung durch einen Ratenkredit wäre.

Steigen die Zinsen weiter, könnte es manche Verbraucher:innen hart treffen. Durch die hohe Inflation sinkt die Kaufkraft des Geldes ohnehin schon stark, sodass Kontoinhaber:innen schneller in den Dispo rutschen als zuvor. Und diese Überziehung müssen sie nun auch noch teuer bezahlen. So droht der Dispo zur gefährlichen Überschuldungsfalle zu werden. Im Extremfall einer Überschuldung sichert ein P-Konto den Pfändungsschutz für dein Girokonto.

Der Dispozins kann der Anfang von Verschuldungskarrieren sein

Der Dispositionskredit ist eigentlich eine praktische Lösung: Wer nur für kurze Zeit mehr Geld benötigt als auf dem Konto zur Verfügung steht, kann seinen Dispo in Anspruch nehmen und muss sich nicht umständlich auf anderem Wege Geld leihen. Und tageweise fallen die vergleichsweise hohen Zinsen dafür kaum ins Gewicht.

📌 Good to know

Die hohen Zinsen des Dispokredits können einen Teufelskreis auslösen: Die Zinsbelastung frisst zusätzliches Einkommen auf, das dann wiederum fehlt, um das Konto auszugleichen. Besonders gefährdet sind Menschen, die bereits am finanziellen Limit leben und regelmäßig an der Schwelle zum Minus stehen.

Wer aber regelmäßig an der Schwelle zum Minus lebt, kann finanziell schnell in eine Abwärtsspirale geraten. Die hohen Zinsen fressen zusätzliches Einkommen auf, das dann wiederum fehlt, um das Konto auszugleichen. So entsteht ein Teufelskreis, aus dem viele Betroffene nur schwer wieder herauskommen. Der ursprünglich als flexible Überbrückungshilfe gedachte Dispo wird dann zur dauerhaften Belastung und kann der Beginn ernsthafter Verschuldungsprobleme sein. Eine Möglichkeit kann darin bestehen, eine Kreditkarte zum Dispo-Ausgleich zu nutzen.

💡 Tip

Wenn du deinen Dispo länger als zwei Monate nutzt, solltest du über eine Umschuldung nachdenken. Ein Ratenkredit ist deutlich günstiger und hilft dir durch feste Raten, deine Schulden planmäßig abzubauen. Viele Banken bieten spezielle Umschuldungskredite mit besonders günstigen Konditionen an. Ein Kreditvergleich hilft dabei, die passenden Angebote für Ratenkredite zu finden.

Quellen

Weitere interessante Inhalte

Diese Beiträge behandeln angrenzende Themen und gehören nicht unmittelbar zum Text oben:

Häufig gestellte Fragen

Q

Wann fallen Dispozinsen auf dem Girokonto an?

Dispozinsen fallen an, sobald mehr vom Konto abgebucht wird, als Guthaben verfügbar ist. Die Zinsen werden tagegenau berechnet und hängen vom vereinbarten Zinssatz deiner Bank ab.

Q

Müssen Dispozinsen monatlich beglichen werden?

Das ist von Bank zu Bank unterschiedlich. Meist werden die Dispozinsen am Ende des Monats oder quartalsweise vom Konto abgebucht und erhöhen damit die bestehende Überziehung.

Q

Welche Bank hat die günstigsten Dispozinsen?

Dispozinsen sind variabel und verändern sich oft, insofern wechseln auch die günstigsten Anbieter. Ein regelmäßiger Vergleich von Banken bezüglich der Dispozinsen lohnt sich definitiv.

Q

Wie hoch ist der durchschnittliche Dispozins in Deutschland?

Ende 2022 lag der durchschnittliche Dispozins bei 9,89 Prozent. Einzelne Banken verlangten jedoch bis zu 14 Prozent, während andere deutlich günstigere Konditionen anboten.

Q

Was ist der Unterschied zwischen Dispozinsen und Überziehungszinsen?

Dispozinsen fallen bei Überziehung innerhalb des vereinbarten Rahmens an. Überziehungszinsen werden fällig, wenn du über den Disporahmen hinaus ins Minus gehst oder ohne vereinbarten Dispo überziehst.

Q

Wie wird die Höhe des Dispokredits festgelegt?

Die Bank legt den Disporahmen meist auf das Dreifache deines monatlichen Nettoeinkommens fest. Die genaue Höhe hängt von deiner Bonität und den regelmäßigen Geldeingängen ab. Für Personen, die diese Voraussetzungen nicht erfüllen, gibt es den gesetzlichen Anspruch auf ein Basiskonto. Nach ähnlichen Kriterien wie Bonität und Einkommen bemisst sich auch das Kreditkartenlimit.

Q

Warum sind Dispozinsen so viel höher als andere Kreditzinsen?

Der Dispo ist ein flexibler, jederzeit verfügbarer Kredit ohne feste Laufzeit oder Sicherheiten. Diese Flexibilität und das höhere Risiko für die Bank rechtfertigen aus Bankensicht die höheren Zinsen. Eine ähnliche Flexibilität bietet auch eine Kreditkarte mit Ratenzahlung.

Indizes verzögertIndizes: TradingView