Themen in diesem Artikel:
- Warum jede Minute zählt: Erfahre, warum 2024 über 131.000 Cybercrime-Fälle gemeldet wurden und 86 % der Phishing-Opfer bereits Schaden hatten.
- 116 116 und Bankhotlines: Überblick über alle Sperrwege – kostenlos, 24/7, mit vollständiger Hotline-Tabelle für die wichtigsten Institute.
- Schritt-für-Schritt-Anleitung: Verstehe die 8 konkreten Schritte vom Erkennen des Vorfalls bis zur Anforderung neuer Zugangsdaten.
- Automatische Sperrung und Entsperrung: Finde heraus, was nach 3 Falscheingaben passiert und wie du dein Konto wieder freischaltest.
- Rückbuchungsfristen und Rechtliches: Vergleiche die 8-Wochen- und 13-Monats-Fristen und lerne, wie du unbefugte Abbuchungen zurückholst.
- Nach der Sperrung – was jetzt: Erfahre, welche Sofortmaßnahmen dein Konto dauerhaft absichern und Folgeschäden verhindern.
Warum schnelles Handeln beim Online-Banking-Betrug entscheidend ist
Online-Banking sperren lassen – das klingt nach einem Schritt, den man in Ruhe erledigen kann. Falsch. Jede Minute, die du wartest, kann Betrüger in die Lage versetzen, dein Konto leerzuräumen. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache.
Allein im Inland wurden 2024 rund 131.391 Cybercrime-Fälle bei der Polizei registriert. Dazu kommen weitere 201.877 Auslandstaten, die sich direkt auf Konten in Deutschland auswirkten. Der wirtschaftliche Gesamtschaden durch Cyberangriffe belief sich 2024 auf 178,6 Milliarden Euro – ein Betrag, der kaum vorstellbar ist. Finanzkriminalität im weiteren Sinne verursachte sogar einen Schaden von 267 Milliarden Euro.
Besonders alarmierend: Beim Phishing – der häufigsten Methode, um Online-Banking-Zugangsdaten zu stehlen – war in 86 % der zur Anzeige gebrachten Fälle der Schaden bereits eingetreten, bevor die Betroffenen überhaupt reagiert hatten. Das bedeutet: Wer wartet, verliert. Die Sperrung muss sofort erfolgen, nicht morgen früh.
Deutschland steht dabei weltweit auf einem unrühmlichen Platz 2 bei Phishing-Angriffen. Rund 14 % aller weltweit versendeten Phishing-Mails wurden 2024 aus Deutschland heraus generiert. Das zeigt: Das Problem sitzt nicht nur im Ausland, sondern mitten in der deutschen Infrastruktur.
Für das Jahr 2023 wurden rund 90.000 registrierte Fälle von Betrug im Online-Banking gezählt – ein Anstieg von 14 % gegenüber dem Vorjahr. Der Trend zeigt klar nach oben. Und der Gesamtschaden durch Phishing allein lag 2024 bei 20 Millionen Euro, verteilt auf 8.600 angezeigte Fälle.
Besonders gefährdet sind junge Menschen: 28 % der 16- bis 22-Jährigen gaben in einer Befragung an, 2024 Opfer von Online-Banking-Betrug geworden zu sein. Im Bevölkerungsdurchschnitt lag der Anteil bei 13 %. Wer jung ist, nutzt Banking-Apps intensiv – und ist damit ein bevorzugtes Ziel.
Die gute Nachricht: Die Sperrung deines Online-Bankings erfolgt nach einem Anruf bei der richtigen Hotline sofort. Nicht nach einer Stunde, nicht am nächsten Werktag – sondern in dem Moment, in dem du den Mitarbeiter am Telefon hast. Das ist dein stärkstes Werkzeug gegen Betrüger.
Cybercrime und Online-Banking-Betrug in Deutschland 2024 – Fallzahlen im Überblick
Die wichtigsten Sperrwege: 116 116 und direkte Bankhotlines
Du hast einen Betrugsfall bemerkt oder deine Karte verloren? Dann ist die erste Zahl, die du dir merken musst: 116 116. Das ist der zentrale Sperr-Notruf, der in Deutschland rund um die Uhr erreichbar ist – kostenlos aus dem deutschen Festnetz, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr.
Der Dienst ist kein Callcenter einer einzelnen Bank, sondern eine zentrale Schaltstelle. Er leitet deine Sperrmeldung direkt an die angeschlossenen Banken und Kartenanbieter weiter. Dazu gehören Sparkassen, Volksbanken, Raiffeisenbanken, Mastercard, Visa, Diners Club, JCB und die überwiegende Mehrheit aller deutschen Kreditinstitute. Über diese eine Nummer kannst du gleichzeitig deine girocard (früher ec-Karte), digitale Karten in Wallet-Apps, Kreditkarten und deinen Online-Banking-Zugang sperren lassen.
Bist du gerade im Ausland und merkst, dass deine Karte weg ist? Kein Problem. Ruf +49 116 116 an oder alternativ +49 30 4050 4050. Verbindungskosten können je nach Land und Anbieter anfallen, aber der Dienst ist erreichbar. Für Sprach- und Hörgeschädigte gibt es zusätzlich die Möglichkeit, ein Fax an +49 30 4050 4050 zu schicken.
Neben dem zentralen Notruf haben viele Banken eigene Sperrhotlines, die teils noch schneller reagieren, weil sie direkt in die Banksysteme eingebunden sind. Die Commerzbank etwa bietet unter 069 50 50 27 86 eine weltweite 24/7-Hotline an. Besonders praktisch: Rufst du aus der Banking-App an, erfolgt die Authentifizierung automatisch – du musst keine langen Kontonummern vorlesen.
Manche Banken ermöglichen auch eine Selbstsperrung direkt im Online-Banking. Bei der Commerzbank gibt es dafür einen eigenen Button „Zugang sperren“. Das ist die schnellste Methode, wenn du noch Zugang zu deinem Account hast und sicherstellen willst, dass niemand anderes reinkommt. Die Sperrung wirkt sofort.
Wichtig zu wissen: Nicht alle Bankhotlines sind rund um die Uhr erreichbar. Die BW-Bank etwa ist nur montags bis freitags von 8:30 bis 17:00 Uhr erreichbar. Die Volksbank Münsterland nimmt Anrufe werktags von 8 bis 18 Uhr entgegen. Für Notfälle außerhalb dieser Zeiten ist die 116 116 deshalb unverzichtbar. Auch der Online-Zugriff bei bestimmten Anbietern ist zeitlich eingeschränkt – so ist die Hotline für den Online-Kontozugriff eines großen Kartenanbieters nur montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr besetzt.
📌 Good to know
Halte beim Anruf deine IBAN oder Kontonummer plus Bankleitzahl bereit. Ohne diese Angaben kann der Mitarbeiter dein Konto nicht eindeutig identifizieren – und die Sperrung verzögert sich.
| Institut / Dienst | Hotline | Erreichbarkeit | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Zentraler Sperr-Notruf | 116 116 | 24/7 | Kostenlos aus dt. Festnetz; deckt girocard, Kreditkarte, Online-Banking ab |
| Sperr-Notruf (Ausland) | +49 116 116 / +49 30 4050 4050 | 24/7 | Verbindungskosten möglich |
| Commerzbank (Online-Banking) | 069 50 50 27 86 | 24/7, weltweit | Automatische Authentifizierung bei Anruf aus Banking-App |
| Berliner Sparkasse (Online-Banking) | 030 869 869 57 | 24/7 | – |
| Berliner Sparkasse (Karten) | 030 869 869 05 | 24/7 | – |
| Kartenanbieter (Karte, 24/7) | 069 9797-2000 | 24/7 | Ersatzkarte wird zugesandt |
| Kartenanbieter (Online-Zugriff) | 069 9797-1000 | Mo–Fr 09–17 Uhr | Eingeschränkte Erreichbarkeit |
| HypoVereinsbank (HVB) | +49 89 378 23 939 | k. A. | – |
| BW-Bank | 0711 124-45003 | Mo–Fr 8:30–17 Uhr | Eingeschränkte Erreichbarkeit |
| Volksbank Münsterland | 0251 500 500 | Mo–Fr 8–18 Uhr | Für TAN-Verfahren ohne gültiges Medium |
Schritt für Schritt: Online-Banking sperren lassen
Panik ist verständlich, aber kontraproduktiv. Wenn du weißt, was zu tun ist, geht alles schnell. Hier sind die acht Schritte, die dich vom Erkennen des Problems bis zur gesicherten Situation führen.
Schritt 1: Sicherheitsvorfall erkennen
Bevor du handelst, musst du wissen, was passiert ist. Typische Auslöser für eine sofortige Sperrung sind: Du hast deine Debit- oder Kreditkarte verloren oder sie wurde gestohlen. Dein Smartphone mit installierten Banking-Apps oder digitalen Karten ist weg. Du hast auf eine Phishing-Mail geklickt und möglicherweise deine Zugangsdaten eingegeben. Du siehst auf deinem Kontoauszug Buchungen, die du nicht erkennst. Oder du wirst von deiner Bank über verdächtige Aktivitäten informiert. In allen diesen Fällen gilt: sofort handeln.
Schritt 2: 116 116 anrufen – ohne Verzögerung
Greif zum Telefon und wähle 116 116. Die Leitung ist kostenlos, rund um die Uhr besetzt und direkt mit den Sperrsystemen der angeschlossenen Banken verbunden. Hast du eine eigene Bankhotline zur Hand, die ebenfalls 24/7 erreichbar ist, kannst du auch diese direkt anrufen. Wichtig: Nicht erst warten, bis du „sicher bist“. Im Zweifel lieber einmal zu viel sperren als einmal zu wenig.
Schritt 3: IBAN und Identifikationsdaten bereithalten
Der Mitarbeiter am Telefon braucht deine IBAN oder alternativ Kontonummer plus Bankleitzahl. Zusätzlich wirst du nach persönlichen Daten gefragt – in der Regel Name und Geburtsdatum. Das dient der Identitätsprüfung, damit niemand anderes dein Konto sperren lassen kann. Hast du die IBAN nicht im Kopf? Sie steht auf deiner Kontoübersicht, auf Kontoauszügen oder auf deiner Karte (bei manchen Banken).
Schritt 4: Sperrung veranlassen
Der Mitarbeiter sperrt deinen Zugang sofort nach der Identifikation. Du kannst in diesem Gespräch auch mehrere Dinge gleichzeitig sperren lassen: Online-Banking-Zugang, Debitkarte, Kreditkarte und digitale Karten in Wallet-Apps. Nutze das. Je vollständiger die Sperrung, desto weniger Angriffsfläche bleibt für Betrüger.
Schritt 5: Datum und Uhrzeit notieren
Das klingt bürokratisch, ist aber wichtig. Notiere dir exakt, wann du die Sperrung veranlasst hast. Diese Information brauchst du später, wenn du unautorisierte Abbuchungen reklamierst oder Anzeige erstattest. Ohne diesen Nachweis kann es schwieriger werden, Transaktionen nach dem Sperrzeitpunkt zurückzubuchen.
Schritt 6: Anzeige bei der Polizei erstatten
Bei Diebstahl oder konkretem Betrugsverdacht ist eine Strafanzeige bei der Polizei dringend empfohlen – in manchen Fällen sogar Voraussetzung für weitere Schritte. Die Anzeige kann in der nächsten Polizeidienststelle oder in vielen Bundesländern auch online erstattet werden. Halte alle relevanten Informationen bereit: Zeitpunkt des Vorfalls, betroffene Konten, verdächtige Transaktionen.
Schritt 7: Kontoumsätze prüfen
Sobald du Zugang zu deinen Kontoauszügen hast – entweder über einen anderen Kanal oder nach Rücksprache mit der Bank – gehe alle Buchungen der letzten Tage und Wochen durch. Jede Transaktion, die du nicht erkennst, muss der Bank schriftlich gemeldet werden. Dokumentiere alles: Betrag, Datum, Empfänger. Das ist die Grundlage für Rückbuchungsanträge.
Schritt 8: Neue Zugangsdaten anfordern
Nach einer Sperrung wegen Betrugsverdachts werden deine alten Zugangsdaten nicht reaktiviert. Die Bank stellt neue aus – in der Regel per Post. Das dauert je nach Institut ein bis drei Werktage. Bei manchen Direktbanken gibt es auch die Möglichkeit, die Legitimation per VideoIdent zu beschleunigen.
💡 Tip
Wurde dein Smartphone gestohlen, reicht es nicht, nur das Online-Banking zu sperren. Lass gleichzeitig alle digitalen Karten in Wallet-Apps und die Banking-App selbst sperren – über 116 116 oder die direkte Bankhotline. Betrüger können sonst kontaktlos zahlen, ohne PIN.
Automatische Sperrung und Entsperrung: Was du wissen musst
Nicht jede Sperrung ist das Ergebnis eines Betrugsangriffs. Manchmal sperrt sich das Online-Banking ganz von selbst – weil du die PIN zu oft falsch eingegeben hast. Das ist ein Sicherheitsmechanismus, kein Fehler. Aber er kann frustrierend sein, wenn man plötzlich keinen Zugang mehr hat.
Bei Volksbanken und Raiffeisenbanken greift die automatische PIN-Sperre bereits nach 3 Falscheingaben. Das klingt wenig, ist aber bewusst so gewählt: Betrüger, die eine gestohlene Karte ausprobieren, sollen schnell ausgesperrt werden. Wer die PIN wirklich vergessen hat, kommt nach 9 Falscheingaben nicht mehr weiter – dann wird automatisch eine neue Start-PIN per Post zugesandt.
Die VR SecureGo plus App, die bei vielen Volksbanken als TAN-Generator dient, hat einen eigenen Schwellenwert: Nach 5 Falscheingaben des Freigabecodes wird die App gesperrt. Eine einfache Entsperrung ist dann nicht mehr möglich – die App muss komplett neu eingerichtet werden. Dafür brauchst du einen neuen Aktivierungscode, den du über deine Bank erhältst.
Schwellenwerte für automatische Sperrung – Anzahl der Falscheingaben
Entsperrung nach PIN-Sperre ohne Betrugsverdacht
Wenn die Sperrung nur durch Falscheingaben ausgelöst wurde und kein Betrug vorliegt, gibt es mehrere Wege zur Entsperrung. Bei der Commerzbank kannst du dich über die photoTAN-App entsperren, sofern du die Biometrie-Funktion aktiviert hast. Alternativ geht es telefonisch über das Kundencenter, an manchen Geldautomaten, über ein Online-Formular oder persönlich in der Filiale mit Personalausweis oder Reisepass.
Manche Banken entsperren den Zugang bei einer reinen PIN-Sperre ohne Betrugsverdacht sogar automatisch nach 24 Stunden. Das ist praktisch, wenn du gerade unterwegs bist und keine Zeit für einen Filialbesuch hast. Die Volksbank Kleverland etwa ermöglicht eine selbstständige Entsperrung, wenn du die korrekte PIN zusammen mit einer gültigen TAN eingibst.
Entsperrung nach echtem Betrugsfall
Hier ist die Lage anders. Nach einer Sperrung wegen Betrugsverdachts werden deine alten Zugangsdaten nicht reaktiviert. Das ist eine bewusste Sicherheitsentscheidung: Wenn Betrüger einmal Zugang hatten, dürfen die alten Daten nicht mehr gelten. Die Bank stellt neue Zugangsdaten aus und schickt sie per Post. Bei Direktbanken wie ING oder DKB ist keine Filiale vorhanden – die Legitimation läuft telefonisch oder per PostIdent bzw. VideoIdent. Das kann ein bis zwei Werktage dauern.
Direktbanken vs. Filialbanken im Vergleich
Bei Filialbanken wie der Sparkasse hast du den Vorteil, dass du persönlich vorbeigehen und dein Konto direkt reaktivieren kannst. Ein Mitarbeiter prüft deinen Ausweis und schaltet den Zugang frei – oft noch am selben Tag. Bei Direktbanken fehlt dieser Weg. Dafür sind die telefonischen Prozesse meist gut eingespielt, und VideoIdent funktioniert rund um die Uhr.
Rückbuchungsfristen und rechtliche Absicherung nach dem Betrugsfall
Du hast dein Online-Banking gesperrt und auf dem Kontoauszug tauchen Buchungen auf, die du nicht kennst. Was jetzt? Das Recht steht auf deiner Seite – aber nur, wenn du die richtigen Fristen kennst und schnell handelst.
Für nicht autorisierte Lastschriften gilt eine Rückbuchungsfrist von 8 Wochen. Das bedeutet: Du kannst innerhalb von acht Wochen nach der Belastung verlangen, dass deine Bank das Geld zurückbucht – ohne Angabe von Gründen. Das ist ein starkes Verbraucherrecht, das viele nicht kennen.
Bei echtem Betrug – also wenn jemand ohne deine Zustimmung Abbuchungen von deinem Konto vorgenommen hat – gilt eine deutlich längere Frist: 13 Monate ab dem Buchungsdatum. Das gibt dir Zeit, auch ältere verdächtige Transaktionen zu prüfen und zurückzufordern. Voraussetzung ist, dass du den Betrug der Bank meldest und nachweisen kannst, dass du die Transaktion nicht autorisiert hast.
Was du konkret tun musst
Melde jede unautorisierte Abbuchung schriftlich bei deiner Bank. Per E-Mail oder Brief, mit Datum, Betrag und dem Hinweis, dass du die Transaktion nicht autorisiert hast. Bewahre alle Kommunikation auf – das ist dein Nachweis, falls es zu einem Rechtsstreit kommt. Viele Banken haben dafür eigene Formulare oder Online-Formulare im Banking-Portal.
Parallel dazu solltest du Strafanzeige bei der Polizei erstatten. Das ist nicht nur moralisch richtig, sondern auch praktisch wichtig: Die Anzeige dokumentiert den Betrugsfall offiziell und kann bei der Bank als Nachweis dienen. In manchen Fällen ist sie auch Voraussetzung für eine KUNO-Sperrung im Lastschriftverfahren – ein zusätzlicher Schutzmechanismus, der verhindert, dass gestohlene Kartendaten weiter missbraucht werden.
Haftung: Wann zahlt die Bank, wann du?
Grundsätzlich haftet die Bank für nicht autorisierte Transaktionen – das ist gesetzlich geregelt. Ausnahmen gibt es, wenn du grob fahrlässig gehandelt hast: zum Beispiel, wenn du deine PIN auf einem Zettel neben der Karte aufbewahrt hast, oder wenn du auf eine offensichtliche Phishing-Mail hereingefallen bist und deine Daten freiwillig eingegeben hast. In solchen Fällen kann die Bank die Haftung ablehnen oder zumindest einen Teil des Schadens auf dich übertragen.
Deshalb ist es so wichtig, die Sperrung so früh wie möglich zu veranlassen und zu dokumentieren. Je früher du gehandelt hast, desto schwerer kann dir die Bank vorwerfen, du hättest den Schaden verhindern können.
Schriftverkehr aufbewahren
Hebe alle E-Mails, Briefe und Gesprächsnotizen mit deiner Bank auf. Notiere bei Telefonaten Datum, Uhrzeit, Name des Mitarbeiters und den Inhalt des Gesprächs. Dieser Schriftverkehr ist dein wichtigstes Beweismittel – sowohl gegenüber der Bank als auch gegenüber der Polizei und im schlimmsten Fall vor Gericht. Wer gut dokumentiert, ist klar im Vorteil.
| Transaktionstyp | Rückbuchungsfrist | Voraussetzung |
|---|---|---|
| Nicht autorisierte Lastschrift | 8 Wochen | Meldung bei der Bank; kein Nachweis erforderlich |
| Nicht autorisierte Abbuchung (Betrug) | 13 Monate | Betrugsnachweis; schriftliche Meldung; ggf. Strafanzeige |
Nach der Sperrung: Was jetzt wirklich wichtig ist
Die Sperrung ist erledigt – aber das ist nicht das Ende der Geschichte. Wer jetzt aufhört, riskiert, dass das Problem wiederkommt. Die folgenden Maßnahmen schützen dich dauerhaft.
Alle Passwörter sofort ändern
Wenn Betrüger Zugang zu deinem Online-Banking hatten, haben sie möglicherweise auch andere Zugangsdaten. Ändere sofort alle Passwörter, die du für Banking, E-Mail und andere Finanzdienstleistungen verwendest. Nutze für jeden Dienst ein eigenes, starkes Passwort. Ein Passwort-Manager hilft dabei. Aktiviere wo möglich die Zwei-Faktor-Authentifizierung – das macht es Betrügern deutlich schwerer.
Gerät auf Schadsoftware prüfen
Wenn du auf einen Phishing-Link geklickt oder eine verdächtige Datei geöffnet hast, könnte Schadsoftware auf deinem Gerät sein. Führe einen vollständigen Scan mit einer aktuellen Antivirensoftware durch. Im Zweifelsfall ist ein komplettes Zurücksetzen des Geräts die sicherste Option. Nutze bis dahin kein Online-Banking auf diesem Gerät.
Kontoauszüge regelmäßig prüfen
Auch nach der Sperrung können noch Transaktionen auftauchen, die vor der Sperrung initiiert wurden. Prüfe deine Kontoauszüge in den nächsten Wochen täglich. Jede unbekannte Buchung muss sofort gemeldet werden. Richte dir wenn möglich Push-Benachrichtigungen für jede Kontobewegung ein – die meisten Banking-Apps bieten das an.
Neue Karte und neue Zugangsdaten sicher aufbewahren
Wenn du neue Zugangsdaten und eine neue Karte bekommst, geh sorgfältig damit um. Schreib die PIN nie auf. Speichere Zugangsdaten nicht im Browser, wenn du ein geteiltes Gerät nutzt. Und aktiviere die Biometrie-Funktion in deiner Banking-App – das ist schnell und sicher.
Betrugswarnung bei der Schufa oder Auskunfteien prüfen
In manchen Fällen versuchen Betrüger, mit gestohlenen Identitätsdaten neue Konten oder Kredite zu eröffnen. Prüfe nach einem Betrugsfall deine Schufa-Auskunft. Einmal im Jahr hast du Anspruch auf eine kostenlose Selbstauskunft. Wenn du unbekannte Einträge findest, wende dich sofort an die Schufa und deine Bank.
Wann du rechtliche Hilfe brauchst
Wenn deine Bank die Rückbuchung verweigert oder dir grobe Fahrlässigkeit vorwirft, ohne dass das gerechtfertigt ist, solltest du rechtliche Beratung suchen. Die Verbraucherzentralen bieten günstige Erstberatungen an. Bei größeren Schäden lohnt sich ein Fachanwalt für Bankrecht. Und wenn die Bank gar nicht reagiert, kannst du eine Beschwerde bei der BaFin einreichen – das ist kostenlos und oft wirksam.
Wenn die Bank das Konto selbst gesperrt hat
Manchmal sperrt nicht der Kunde, sondern die Bank selbst das Konto – etwa bei Geldwäscheverdacht oder ungewöhnlichen Transaktionsmustern. In diesem Fall: Kontaktiere die Bank schriftlich, frage nach dem genauen Grund und prüfe deine Kontobewegungen. Wenn du den Grund nicht nachvollziehen kannst, hast du das Recht auf eine schriftliche Begründung. Im Streitfall hilft die BaFin oder ein Anwalt weiter.
Häufig gestellte Fragen
Welche Nummer muss ich anrufen, um mein Online-Banking sofort sperren zu lassen?
Die zentrale Sperrhotline 116 116 ist die erste Anlaufstelle – kostenlos, 24/7, aus dem deutschen Festnetz. Aus dem Ausland erreichst du den Dienst unter +49 116 116 oder +49 30 4050 4050. Viele Banken haben zusätzlich eigene Sperrhotlines, die direkt in ihre Systeme eingebunden sind.
Was brauche ich, um mein Online-Banking sperren zu lassen?
Du brauchst deine IBAN oder Kontonummer plus Bankleitzahl sowie persönliche Identifikationsdaten wie Name und Geburtsdatum. Notiere nach dem Anruf unbedingt Datum und Uhrzeit der Sperrung – das ist wichtig für spätere Rückbuchungsanträge und die Strafanzeige.
Wie schnell wird mein Online-Banking nach dem Anruf gesperrt?
Die Sperrung erfolgt bei telefonischer Meldung über 116 116 oder eine direkte Bankhotline in der Regel sofort – noch während des Gesprächs. Es gibt keine Wartezeit oder Bearbeitungsfrist. Auch die Selbstsperrung im Online-Banking wirkt unmittelbar nach dem Klick.
Was passiert, wenn ich meine PIN dreimal falsch eingegeben habe?
Bei Volksbanken und Raiffeisenbanken wird der Zugang nach 3 Falscheingaben automatisch gesperrt. Eine Selbstentspannung ist bei manchen Instituten mit korrekter PIN plus TAN möglich. Nach 9 Falscheingaben wird automatisch eine neue Start-PIN per Post zugesandt.
Wie lange habe ich Zeit, unautorisierte Abbuchungen zurückzubuchen?
Für nicht autorisierte Lastschriften gilt eine Frist von 8 Wochen. Bei echtem Betrug – also nicht autorisierten Abbuchungen durch Dritte – hast du 13 Monate Zeit, die Rückbuchung bei deiner Bank zu beantragen. Melde verdächtige Buchungen immer schriftlich.
Kostet die Sperrung des Online-Bankings etwas?
Nein, die Sperrung selbst ist grundsätzlich kostenlos – sowohl über 116 116 als auch direkt bei der Bank. Kosten können lediglich für die Ausstellung einer Ersatzkarte anfallen. Die Höhe variiert je nach Institut und Kartentyp.
Was tun, wenn mein Smartphone mit Banking-App gestohlen wurde?
Sofort Online-Banking und alle digitalen Karten in Wallet-Apps über 116 116 oder die direkte Bankhotline sperren lassen. Betrüger können mit gespeicherten digitalen Karten kontaktlos zahlen – ohne PIN. Zusätzlich empfiehlt sich eine Sperrung der SIM-Karte beim Mobilfunkanbieter.



