Themen in diesem Artikel:
- Was eine Ordergebühr ist: Verstehe die vier Kostenbestandteile eines Trades und warum die Provision nur ein Teil davon ist.
- Flatrate gegen Staffel: Vergleiche die 1-Euro-Pauschale der Neobroker mit dem Modell 4,90 € plus 0,25 Prozent.
- Alle Broker im Kostenvergleich: Überblick über 15 Anbieter von 0,00 € bis 11,45 € bei einer Order über 1.500 €.
- Handelsplatz als Preishebel: Erfahre, warum dieselbe Order mal 0,99 € und mal 1,99 € kostet.
- ETF-Kauf und Sparplan: Sparpläne laufen bei allen sieben verglichenen Anbietern für 0 €, der Einzelkauf nicht.
- Das Verbot der Orderflow-Vergütung: Seit Juli 2026 gilt das Verbot uneingeschränkt — was das für dich heißt.
- Kostenwirkung auf deine Rendite: 125,40 € Unterschied pro Jahr bei zwölf Orders, hochgerechnet auf 20 Jahre.
- Welcher Broker zu dir passt: Entscheidungshilfe nach Ordergröße, Handelsfrequenz und Sicherheitsbedürfnis.
Was eine Ordergebühr ist — und warum sie nur ein Viertel der Rechnung ausmacht
Ordergebühren liegen im September 2026 zwischen 0,00 Euro und rund 69,90 Euro pro Auftrag. Bei einer Aktienorder über 1.500 Euro zahlst du bei den günstigsten Anbietern gar nichts, bei Trade Republic 1 Euro, bei der Consorsbank 9,95 Euro und bei comdirect 11,45 Euro. Der Faktor zwischen Neobroker und Direktbank liegt bei rund zehn — für exakt denselben Vorgang. Die Ordergebühr ist dabei nur ein Teil dessen, was ein Trade dich kostet.
Die Ordergebühr, auch Orderprovision genannt, ist das Entgelt, das ein Broker für die Ausführung eines Kauf- oder Verkaufsauftrags berechnet. Sie steht auf dem Preisblatt, sie ist vergleichbar, und genau deshalb konzentriert sich der Wettbewerb auf sie. Die Rechnung besteht aber aus vier Posten.
Die vier Kostenbestandteile eines Trades
Erstens die Provision. Ein fester oder volumenabhängiger Betrag, den der Broker für sich einbehält. Das ist der Posten, den jede Werbung nennt.
Zweitens das Handelsplatzentgelt. Jeder Börsenplatz kostet Geld — Xetra, gettex, Tradegate, der außerbörsliche Direkthandel. Manche Broker reichen dieses Entgelt an dich weiter, andere schlucken es. ING gibt es weiter, Scalable Capital reicht die Fremdkosten der Börse nicht durch. Zwei Broker mit identischer Provision können hier bereits um mehrere Euro auseinanderliegen.
Drittens der Spread. Die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs. Du zahlst sie bei jedem Trade, bei jedem Broker, und sie steht in keiner Gebührentabelle. Der Spread ist der am schwersten vergleichbare Posten überhaupt, weil er sich sekündlich ändert und von Handelsplatz, Uhrzeit und Papier abhängt. Genau deshalb ist er auch der bequemste Ort, um Kosten zu verstecken.
Viertens die Fremdkostenpauschale. Die pauschale Weitergabe externer Abwicklungskosten für Clearing und Settlement. Und hier wird es tückisch, weil dieselbe Vokabel bei zwei Brokern das Gegenteil bedeutet.
Fremdkostenpauschale: dasselbe Wort, entgegengesetzte Rechnung
Bei Trade Republic ist der 1-Euro-Betrag genau das — die Fremdkostenpauschale, und sonst nichts. Der Broker erhebt darauf keine eigene Provision. Du zahlst einen Euro, fertig. Wie sich dieses Modell im Alltag anfühlt und welche Einstellungen dabei eine Rolle spielen, liest du in unserem Bericht Trade Republic Erfahrungen 2026.
Bei Flatex funktioniert es umgekehrt. Dort stehen 5,90 Euro Provision im Preisblatt, und darauf kommen noch einmal 2 Euro Fremdkostenpauschale. Der reale Preis einer ETF-Order liegt damit bei 7,90 Euro, nicht bei 5,90 Euro. Wer die beiden Angaben nebeneinanderlegt und die Pauschale übersieht, rechnet um ein Drittel falsch. Welche Posten dort sonst noch auf der Abrechnung landen, haben wir im Testbericht flatex Erfahrungen 2026 im Einzelnen aufgeschlüsselt.
Der Maßstab kann deshalb nie die genannte Provision sein. Er muss die wirtschaftlichen Gesamtkosten pro Trade sein — alles, was nach der Ausführung von deinem Geld fehlt. Seriöse Vergleiche rechnen deshalb an einem festen Referenzfall: eine Aktienorder über 1.500 Euro am jeweils günstigsten börslichen Handelsplatz des Anbieters. Spread und produktimmanente Kosten bleiben dabei bewusst außen vor, weil sie als brokerunabhängig gelten.
Diese Annahme ist die interessanteste Stelle des ganzen Themas. Solange Spreads bei allen Brokern gleich sind, ist es sauber, sie herauszurechnen. Sobald ein Broker seine Refinanzierung in den Spread verlagert, kippt die Logik — und der Nullpreis in der Tabelle sagt dann nichts mehr aus. Genau darüber wird seit Juli 2026 diskutiert.
Zwei Preismodelle: Neobroker-Flatrate gegen Direktbank-Staffel
Der deutsche Markt kennt im Kern nur zwei Preislogiken. Sie sind nicht graduell verschieden, sie funktionieren strukturell gegensätzlich.
Die Flatrate
Ein fixer Betrag pro Order, unabhängig vom Volumen. Trade Republic verlangt 1 Euro, Bitpanda 1 Euro, justTRADE 1 Euro, Scalable Capital 0,99 Euro im Free-Modell über die eigene Plattform. Ob du für 200 Euro oder für 20.000 Euro kaufst, ändert nichts. Die Gebühr ist eine Konstante.
Die Staffel
Ein Grundentgelt plus ein Prozentsatz vom Ordervolumen, begrenzt durch ein Mindest- und ein Höchstentgelt. ING berechnet 4,90 Euro plus 0,25 Prozent, mindestens 4,90 Euro, höchstens 69,90 Euro. comdirect nimmt 4,90 Euro plus 0,25 Prozent mit einem Mindestentgelt von 9,90 Euro und einem Deckel bei 59,90 Euro. Die Consorsbank liegt bei 4,95 Euro plus 0,25 Prozent, mindestens 9,95 Euro, höchstens 69,00 Euro. Die DKB verzichtet auf den Prozentsatz und staffelt in drei Stufen: bis 5.000 Euro zehn Euro, ab 5.000,01 Euro fünfzehn Euro, ab 20.000,01 Euro dreißig Euro.
Wo der Deckel greift
Bei ING wird das Höchstentgelt von 69,90 Euro ab einem Ordervolumen von rund 26.000 Euro erreicht. Ab dort wächst die Gebühr nicht weiter. Der Abstand zur 1-Euro-Flatrate bleibt dann aber bei rund 69 Euro pro Trade stehen — der Nachteil hört auf zu wachsen, er verschwindet nicht.
Das ist die entscheidende Erkenntnis für alle, die auf einen Break-even hoffen: Es gibt keinen. Die Flatrate gewinnt in jedem Volumensegment. Die Frage ist nie, ob eine Direktbank preislich aufholt, sondern nur, wie groß der Nachteil ausfällt.
Prozentual trifft es kleine Orders am härtesten
Ein Euro auf eine Order über 1.500 Euro sind 0,07 Prozent. 11,45 Euro auf dieselbe Order sind 0,76 Prozent. Bei einer Order über 500 Euro verschiebt sich das Verhältnis noch deutlicher: Das Mindestentgelt der Direktbanken greift unverändert, während die Flatrate der Neobroker konstant bleibt. Aus 9,95 Euro auf 500 Euro werden knapp zwei Prozent — bevor der Kurs sich um einen Cent bewegt hat.
Wer in kleinen Beträgen investiert, zahlt bei einer Staffel-Bank also nicht ein bisschen mehr, sondern ein Vielfaches. Genau dieses Segment haben die Neobroker aufgerollt.
Mindesteinstiegskosten pro Order im Vergleich (Stand 09/2026)
📌 Good to know
Das Mindestentgelt ist der wichtigste Wert im Preisblatt einer Direktbank. Nicht der Grundpreis von 4,90 Euro entscheidet, was du bei kleinen Orders zahlst, sondern die Untergrenze — bei comdirect 9,90 Euro, bei der Consorsbank 9,95 Euro.
Ordergebühren 2026 im Einzelvergleich: von 0,00 € bis 69,90 €
Die folgende Übersicht rechnet alle Anbieter am selben Fall durch: eine Aktienorder über 1.500 Euro am jeweils günstigsten börslichen Handelsplatz. Damit sind die Werte untereinander vergleichbar — anders als die Werbepreise, die jeder Anbieter für sich zurechtlegt.
| Broker | Ordergebühr | Erklärung |
|---|---|---|
| tradegate.direct | 0,00 € | Basisprovision und weitere Entgelte je 0 € bei 1.500 € Ordervolumen |
| Traders Place | 0,00 € | wirtschaftliche Gesamtkosten 0 € bei 1.500 € |
| Smartbroker+ | 0,00 € | wirtschaftliche Gesamtkosten 0 € bei 1.500 € |
| eToro | 0,00 € | keine Ordergebühr auf ETFs |
| finanzen.net ZERO | 0,00 € | weder Depot- noch Ordergebühren |
| Scalable Capital (Prime+) | 0,00 € | über die hauseigene Plattform EIX ab 250 € Ordervolumen |
| Scalable Capital (Free) | 0,99 € | über EIX; über gettex und Xetra 1,99 € in beiden Modellen |
| Trade Republic (Bestpreis) | 1,00 € | Fremdkostenpauschale, volumenunabhängig, automatisierte Ausführung |
| Bitpanda | 1,00 € | pauschal für Aktien und ETFs |
| justTRADE | 1,00 € | ab 0 € beworben, real 1 € je ETF-Order |
| Trade Republic (Direktpreis) | 2,00 € | selbst gewählter Handelsplatz aus rund 30 Börsen |
| ING | ab 7,40 € | 4,90 € + 0,25 % Ordervolumen, min. 4,90 € / max. 69,90 € |
| Flatex | 7,90 € | 5,90 € Provision + 2 € Fremdkostenpauschale |
| Consorsbank | ab 9,95 € | 4,95 € + 0,25 %, min. 9,95 € / max. 69,00 € |
| DKB | ab 10,00 € | bis 5.000 € = 10 €, ab 5.000,01 € = 15 €, ab 20.000,01 € = 30 € |
| comdirect | ab 11,45 € | 4,90 € + 0,25 %, min. 9,90 € / max. 59,90 €; 3,90 € in den ersten 3 Jahren |
Drei Gruppen, ein Muster
Die Nullgebühr-Gruppe. tradegate.direct, Traders Place, Smartbroker+, eToro, finanzen.net ZERO und Scalable Capital im Prime+-Modell ab 250 Euro Ordervolumen über EIX berechnen bei diesem Referenzfall exakt nichts. Wichtig: Diese Null bezieht sich auf die wirtschaftlichen Gesamtkosten ohne Spread. Kostenlos ist etwas anderes. Wie das Preismodell eines dieser Anbieter im Detail aufgebaut ist, beschreiben wir im Testbericht Smartbroker Erfahrungen 2026.
Die Ein-Euro-Gruppe. Trade Republic im Bestpreis-Modus, Bitpanda und justTRADE liegen bei einem Euro, Scalable Capital im Free-Modell bei 0,99 Euro. Die Unterschiede innerhalb dieser Gruppe sind rechnerisch bedeutungslos — ein Cent pro Order entscheidet über nichts.
Die Direktbanken. ING ab 7,40 Euro im Direkthandel, Flatex bei 7,90 Euro inklusive Pauschale, Consorsbank ab 9,95 Euro, DKB ab 10 Euro, comdirect ab 11,45 Euro Gesamtkosten. Zwischen der günstigsten und der teuersten Position dieser Gruppe liegen vier Euro, zwischen der Gruppe und der Ein-Euro-Klasse liegt Faktor zehn.
Der Werbepreis ist nicht der Dauerpreis
comdirect handelt in den ersten drei Jahren für 3,90 Euro. Danach gilt der reguläre Tarif mit 4,90 Euro plus 0,25 Prozent, Mindestentgelt 9,90 Euro, Höchstentgelt 59,90 Euro. Der Einstiegspreis liegt damit um mehr als den Faktor zwei unter dem, was du ab Jahr vier zahlst. Ein Depot behält man selten nur drei Jahre — der Vergleich muss deshalb über den vollen Anlagehorizont geführt werden, nicht über die Aktionsfrist.
Ähnlich bei justTRADE: beworben wird "ab 0 Euro" für Aktien, ETFs und Derivate. In der Praxis fällt bei einer ETF-Order ein Euro an. Auch das ist günstig, aber es ist eben nicht null.
Der Handelsplatz als versteckter Preishebel
Die Preisliste eines Brokers erzählt nur die halbe Geschichte. Den Rest entscheidet der Handelsplatz, über den deine Order läuft — und das ist eine Einstellung, die viele nie anfassen. Welcher Platz für deine Order welche Folgen hat, zeigt unser Beitrag zu den Handelsplätzen Xetra, gettex und Tradegate im Vergleich.
Scalable Capital: dieselbe Order, doppelter Preis
Über die hauseigene Plattform EIX kostet eine Order im Free-Modell 0,99 Euro. Dieselbe Order über gettex oder Xetra kostet 1,99 Euro. Das ist exakt das Doppelte, bei identischem Wertpapier und identischem Volumen. Welche Modelle dahinterstehen und worin sich Free und Prime+ unterscheiden, ordnen wir im Testbericht Scalable Capital Erfahrungen 2026 ein.
Im Prime+-Modell verschärft sich der Unterschied. Dort fällt der EIX-Preis ab 250 Euro Ordervolumen auf 0 Euro. Der gettex- und Xetra-Preis bleibt bei 1,99 Euro — in beiden Modellen unverändert. Wer Prime+ bucht und trotzdem über Xetra ordert, zahlt also die Abogebühr und die volle Ordergebühr.
Trade Republic: dieselbe Logik, gespiegelt
Trade Republic hat das Verhältnis umgedreht. Seit Juli 2026 führt der Broker standardmäßig automatisiert zum besten Kurs unter den relevanten Börsen aus. Diese Bestpreis-Ausführung kostet einen Euro. Wer den Handelsplatz selbst wählen will — aus rund 30 globalen Börsen —, zahlt zwei Euro.
Bei Scalable kostet die Standardeinstellung mehr, wenn du sie nicht prüfst. Bei Trade Republic kostet die manuelle Wahl mehr. In beiden Fällen entscheidet ein Klick über eine Verdoppelung.
Wer das Handelsplatzentgelt weiterreicht
Der zweite Hebel liegt darin, ob der Broker die Kosten des Börsenplatzes an dich durchreicht. ING gibt das Handelsplatzentgelt weiter — deshalb liegen die realen Kosten dort bei 6,80 Euro im Depot und 7,40 Euro im Direkthandel, obwohl das Preisblatt bei 4,90 Euro beginnt. Scalable Capital reicht die Fremdkosten der Börse dagegen nicht weiter.
Das erklärt, warum zwei Broker mit ähnlich klingender Provision am Ende deutlich auseinanderliegen. Die Provision ist verhandelbare Marketingfläche, das Handelsplatzentgelt nicht — es fällt real an, und die einzige Frage ist, wer es trägt.
💡 Tip
Öffne einmal die Ordermaske deines Brokers und sieh nach, welcher Handelsplatz voreingestellt ist. Bei einigen Anbietern halbiert oder verdoppelt sich der Preis allein durch diese Auswahl — dauerhaft, bei jeder einzelnen Order.
ETF-Kauf und Sparplan: der Preiswettbewerb hat sich verlagert
Beim ETF-Sparplan ist der Preiskampf entschieden. Bei allen sieben in aktuellen Marktvergleichen betrachteten Anbietern kostet die Sparplan-Ausführung 0 Euro — auch bei Flatex und bei ING, also bei zwei Häusern, die beim Einzelkauf zu den teuersten gehören.
| Anbieter | Einmalkauf | Sparplan | Mindest-Sparrate | Sparplanfähige ETFs |
|---|---|---|---|---|
| Trade Republic | 1 € (Bestpreis) / 2 € (Direktpreis) | 0 € | 1 € | über 3.200 |
| eToro | 0 € | 0 € | 25 $ | über 1.000 |
| Bitpanda | 1 € | 0 € | 10 € | über 2.500 |
| Scalable Capital | 0,99 € über EIX, ab 250 € im Prime-Modell 0 €; 1,99 € über gettex/Xetra | 0 € | 1 € | über 2.700 |
| Flatex | 5,90 € + 2 € Fremdkostenpauschale | 0 € | 25 € | über 2.500 |
| ING | 4,90 € + 0,25 % + Handelsplatzgebühr | 0 € | 1 € | über 1.100 |
| justTRADE | 1 € | 0 € | 25 € | rund 180 |
Was das für dich bedeutet
Wenn du ausschließlich per Sparplan investierst, sind Ordergebühren für dich praktisch irrelevant. Der komplette Preisunterschied zwischen den Brokern entsteht beim manuellen Einzelkauf — dort liegt die Spanne zwischen 0 Euro und 7,90 Euro. Beim Sparplan liegt sie bei null.
Damit verschieben sich die Auswahlkriterien. Entscheidend werden drei andere Größen: die Mindest-Sparrate, die Breite des ETF-Angebots und die Einlagensicherung.
Mindest-Sparrate: von einem Euro bis 25 Dollar
Trade Republic, Scalable Capital und ING lassen dich ab einem Euro sparen. Bitpanda verlangt zehn Euro. Flatex und justTRADE setzen 25 Euro an, eToro 25 Dollar. Für einen Sparplan über 500 Euro monatlich ist das gleichgültig. Wer aber breit streuen und auf fünf oder sechs ETFs verteilen will, stößt bei 25 Euro Mindestrate schnell an eine Grenze.
ETF-Auswahl: Faktor 18 zwischen kleinstem und größtem Angebot
justTRADE bietet rund 180 sparplanfähige ETFs. Trade Republic über 3.200. Dazwischen liegen eToro mit über 1.000, ING mit über 1.100, Bitpanda und Flatex mit jeweils über 2.500 sowie Scalable Capital mit über 2.700.
Für einen Standard-Weltindex reichen 180 Fonds völlig aus — die großen Anbieter sind überall vertreten. Sobald du gezielt nach einem bestimmten Anbieter, einer Ausschüttungsvariante oder einem Nischenindex suchst, wird die Auswahl zum limitierenden Faktor.
Sparplanfähige ETFs je Anbieter im Vergleich
Einlagensicherung: der wichtigste nicht-preisliche Unterschied
Trade Republic sichert 100.000 Euro ab, comdirect ebenfalls. Scalable Capital kommt auf bis zu fünfmal 100.000 Euro. Bitpanda fällt aus der Reihe: Dort gibt es keine gesetzliche Einlagensicherung, die Wertpapiere liegen als Sondervermögen.
Beim Vergleich zweier Anbieter, die beide einen Euro pro Order nehmen, ist das der Punkt, an dem sich tatsächlich etwas unterscheidet. Der Preis nicht.
Bei den Depotgebühren gibt es dagegen kaum noch etwas zu vergleichen: Trade Republic, Scalable Capital, Bitpanda und finanzen.net ZERO führen das Depot für 0 Euro. comdirect ebenfalls, allerdings an Bedingungen geknüpft. Bei den Guthabenzinsen liegt Scalable Capital variabel bei 2,60 Prozent, Bitpanda bei 2,26 Prozent brutto, Trade Republic bei 2,25 Prozent. comdirect verzinst das Verrechnungskonto mit 0 Prozent und verweist auf ein separates Tagesgeldkonto mit 1,75 Prozent. Was einer dieser Anbieter neben dem Depot ohne Grundgebühr sonst noch mitbringt, haben wir im Finanzen.net Zero Test 2026 zusammengetragen.
Das Verbot der Orderflow-Vergütung seit Juli 2026
Seit dem 1. Juli 2026 gilt in Deutschland uneingeschränkt das EU-weite Verbot von Payment for Order Flow. Das ist die wichtigste strukturelle Änderung am Brokermarkt seit dem Aufstieg der Neobroker — und sie betrifft direkt die Frage, wie lange Nullgebühren tragfähig bleiben.
Was Payment for Order Flow war
Ein Broker leitet deine Order an einen bestimmten Handelsplatz oder Market Maker weiter, etwa Lang & Schwarz oder die Baader Bank. Dafür bekam er von diesem eine Rückvergütung. Das Geschäftsmodell funktionierte, weil der Market Maker über den Spread verdient und einen Teil davon an den zuliefernden Broker abgab.
Die EU sieht darin einen Interessenkonflikt, und zwar einen strukturellen: Der Broker hat einen Anreiz, zum bestzahlenden statt zum für dich besten Handelsplatz zu leiten. Diese beiden müssen nicht dieselben sein. Die Regelung trat im März 2024 in Kraft, seit Juli 2026 gilt sie ohne Übergangsfristen.
Wie groß der Einschnitt ist
Branchenschätzungen zufolge stammten 30 bis 50 Prozent der Einnahmen mancher Neobroker aus dieser Quelle. Das ist der zentrale Datenpunkt der ganzen Diskussion. Wenn bis zur Hälfte der Erlöse wegfällt, muss diese Lücke irgendwo geschlossen werden — durch Kostensenkung, durch neue Erlösquellen oder durch höhere Preise.
Was die Anbieter selbst sagen
Die Antworten der Branche fallen bemerkenswert einheitlich aus. Scalable Capital erklärt, Sparpläne blieben gebührenfrei, bestehende liefen nahtlos weiter und der Handel finde weiterhin zu den vertrauten Konditionen statt. finanzen.net ZERO erwartet weder Auswirkungen auf die eigene Wirtschaftlichkeit noch auf Transaktionsgebühren oder Kundenkosten. Smartbroker+ gibt an, die Rückvergütung habe strukturell eine geringere Rolle gespielt, der Wegfall werde durch Kostenoptimierungen weitgehend ausgeglichen. Traders Place sagt, die Order werde für Kunden unterm Strich nicht teurer — an gettex und im außerbörslichen Handel gilt das ab einem Ordervolumen von 500 Euro.
Kein Anbieter kündigt also steigende Gebühren an. Das deckt sich mit der Einschätzung von Branchenbeobachtern.
Warum das trotzdem kein Freibrief ist
Die Erwartung in der Branche lautet nicht, dass die Kosten verschwinden, sondern dass sie umziehen. Die Rechnung kommt, nur unsichtbarer und schwerer zu greifen — über Spreads, über Premium-Abomodelle und über Zinsmargen auf Kundeneinlagen. Der Spread hat dabei einen entscheidenden Vorteil für den Anbieter: Er steht auf keinem Preisblatt, er lässt sich nicht als Preiserhöhung berichten, und die wenigsten Anleger prüfen ihn.
Auch die Verbraucherschutzseite formuliert das unabhängig davon: Neobroker sind nicht kostenlos, die Kosten entstehen meist indirekt über Provisionen und über die Ausführungskurse.
Damit gerät eine Annahme ins Wanken, auf der jeder Kostenvergleich ruht. Gängige Vergleiche klammern den Spread bewusst aus, mit der Begründung, er sei bei allen Brokern gleich und damit brokerunabhängig. Wenn die Refinanzierung nach dem Verbot in den Spread wandert, ist er das nicht mehr. Und dann verliert der ausgewiesene Nullpreis in der Tabelle einen Teil seiner Aussagekraft.
Praktisch heißt das für dich: Die Gebührentabelle bleibt der beste verfügbare Vergleichsmaßstab, aber sie erfasst ab jetzt möglicherweise weniger von der Gesamtrechnung als früher. Wer viel und in großen Beträgen handelt, sollte den Ausführungskurs stichprobenhaft gegen einen Referenzkurs prüfen.
Was Ordergebühren mit deiner Rendite machen
Ein Euro Unterschied klingt nach nichts. Über einen Anlagehorizont von zwanzig Jahren wird daraus eine Summe, die sich rechnen lässt — und zwar ohne Studienzitate, allein aus den Gebührensätzen der Anbieter.
Die Rechnung: zwölf Orders pro Jahr à 1.500 Euro
Nimm einen Anleger, der monatlich eine Einzelorder über 1.500 Euro platziert. Das sind zwölf Orders und 18.000 Euro Anlagevolumen pro Jahr.
| Broker | Kosten pro Order | Kosten pro Jahr (12 Orders) | 20 Jahre, ohne Zinseszins |
|---|---|---|---|
| Scalable Capital (Free) | 0,99 € | 11,88 € | 237,60 € |
| Trade Republic | 1,00 € | 12,00 € | 240,00 € |
| ING | 7,40 € | 88,80 € | 1.776,00 € |
| Consorsbank | 9,95 € | 119,40 € | 2.388,00 € |
| comdirect | 11,45 € | 137,40 € | 2.748,00 € |
Die Differenz zwischen Trade Republic und comdirect liegt bei 125,40 Euro pro Jahr. Über zwanzig Jahre summiert sich das auf 2.508 Euro — und das ist die konservative Rechnung ohne Zinseszinseffekt. Real fehlt dieses Geld nicht nur als Betrag, sondern auch als Kapital, das über zwei Jahrzehnte hätte arbeiten können.
Was diese Zahl nicht sagt
Sie gilt für dieses Muster: zwölf manuelle Einzelorders im Jahr, jeweils 1.500 Euro. Wer stattdessen einen Sparplan über 1.500 Euro monatlich laufen lässt, zahlt bei allen sieben verglichenen Anbietern null — die gesamte Differenz verschwindet. Wer dagegen wöchentlich handelt, vervierfacht sie.
Die Ordergebühr wird also nicht durch die Höhe deines Depots relevant, sondern durch die Anzahl deiner Transaktionen. Ein Buy-and-Hold-Anleger mit drei Käufen im Jahr merkt selbst bei comdirect kaum etwas. Ein aktiver Trader mit hundert Orders zahlt dort über tausend Euro jährlich, wo er bei einem Neobroker mit hundert Euro auskäme.
Vorsicht bei kursierenden Renditezahlen
Im Netz kursieren Angaben, wonach Ordergebühren die Jahresrendite um bis zu 1,5 Prozent drücken und über zwanzig Jahre rund 30.000 Euro kosten. Für diese Werte findet sich keine nachprüfbare Grundlage. Ebenso falsch ist die verbreitete Behauptung, ING und comdirect berechneten 1,5 Prozent des Sparbetrags für ETF-Sparpläne — beide führen Sparpläne für 0 Euro aus.
Rechne deine Kostenbelastung deshalb selbst aus den belegten Gebührensätzen. Deine Ordergröße, deine Frequenz, dein Broker — daraus ergibt sich eine Zahl, die stimmt. Alles andere ist geliehene Dramatik.
Welcher Broker zu welchem Anlegertyp passt
Die Preisfrage ist eindeutig entschieden, die Auswahlfrage nicht. Vier Profile, vier verschiedene Antworten.
Der reine Sparplan-Anleger
Du legst monatlich einen festen Betrag in einen oder zwei ETFs an und rührst sonst nichts an. Für dich sind Ordergebühren irrelevant, weil die Sparplan-Ausführung überall null kostet. Entscheide nach Mindest-Sparrate, ETF-Auswahl und Einlagensicherung. Wenn du auf mehrere ETFs verteilen willst, brauchst du eine niedrige Mindestrate — ein Euro bei Trade Republic, Scalable Capital und ING gegenüber 25 Euro bei Flatex und justTRADE.
Der gelegentliche Einzelkäufer
Du kaufst drei- bis zwölfmal im Jahr manuell. Hier zahlt sich die Flatrate direkt aus: Zwölf Orders kosten dich bei einem Neobroker rund zwölf Euro im Jahr, bei einer Direktbank zwischen 89 und 137 Euro. Achte auf die Handelsplatz-Voreinstellung, sonst zahlst du das Doppelte, ohne es zu merken. Worin sich die beiden Modelle abseits der Ordergebühr unterscheiden, klärt unser Beitrag Neobroker oder Filialbank.
Der aktive Trader
Bei hoher Frequenz multipliziert sich jede Differenz. Für dich zählt zusätzlich der Spread, weil er bei jedem einzelnen Trade anfällt und sich bei hundert Orders zu einer größeren Summe addiert als die Provision. Nach dem Verbot der Orderflow-Vergütung ist genau das der Posten, den du im Auge behalten solltest. Ein Blick auf den Ausführungskurs im Vergleich zum Referenzkurs sagt dir mehr als jede Gebührentabelle.
Der Anleger mit großen Ordervolumina
Bei einer Order über 50.000 Euro zahlst du bei ING das Höchstentgelt von 69,90 Euro, bei der Consorsbank 69,00 Euro, bei comdirect 59,90 Euro und bei einem Neobroker unverändert einen Euro. Der Deckel begrenzt den Schaden, er beseitigt ihn nicht. Gleichzeitig wird bei diesen Beträgen die Einlagensicherung zum Thema — Scalable Capital mit bis zu fünfmal 100.000 Euro deckt hier mehr ab als Anbieter mit der einfachen gesetzlichen Grenze.
Was in jedem Fall gilt
Prüfe drei Dinge, bevor du dich entscheidest. Erstens die Gesamtkosten, nicht die beworbene Provision — bei Flatex sind das 7,90 statt 5,90 Euro. Zweitens die Dauerkonditionen, nicht den Aktionspreis — bei comdirect 4,90 Euro plus 0,25 Prozent statt 3,90 Euro ab Jahr vier. Drittens den voreingestellten Handelsplatz, weil er über eine Verdoppelung des Preises entscheiden kann.
Und rechne die Kosten nicht pro Order, sondern pro Jahr. Erst dann siehst du, ob der Unterschied für dein Anlageverhalten überhaupt eine Rolle spielt — oder ob du über zehn Euro diskutierst, während die Fondsauswahl über zehntausend entscheidet.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet eine Order 2026 tatsächlich?
Zwischen 0 Euro und rund 70 Euro, je nach Broker und Volumen. Neobroker liegen volumenunabhängig bei 0 bis 2 Euro, Direktbanken bei 6,80 bis 69,90 Euro abhängig vom Ordervolumen und Mindestentgelt.
Sind Neobroker wirklich kostenlos?
Nein. Kosten entstehen meist indirekt über Provisionen und Ausführungskurse. Der Spread — die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs — steht in keiner Gebührentabelle, fällt aber bei jedem Trade an.
Wird Trading nach dem Verbot der Orderflow-Vergütung teurer?
Die befragten Anbieter verneinen das für ihre ausgewiesenen Gebühren. Branchenbeobachter erwarten die Refinanzierung stattdessen über Spreads, Premium-Abos und Zinsmargen auf Kundeneinlagen — schwerer sichtbar, aber nicht kostenlos.
Warum kostet dieselbe Order bei Scalable mal 0,99 und mal 1,99 Euro?
Weil der Handelsplatz den Preis bestimmt. Über die hauseigene Plattform EIX kostet die Order 0,99 Euro im Free-Modell und ab 250 Euro Volumen 0 Euro im Prime-Modell. Über gettex und Xetra sind es 1,99 Euro.
Was ist der Unterschied zwischen Bestpreis und Direktpreis bei Trade Republic?
Bestpreis kostet einen Euro und bedeutet automatisierte Ausführung zum besten Kurs unter den relevanten Börsen. Direktpreis kostet zwei Euro und lässt dich den Handelsplatz aus rund 30 globalen Börsen selbst wählen.
Ab welchem Ordervolumen lohnt sich eine Direktbank?
Preislich in keinem Segment. Das prozentuale Modell bleibt selbst am Deckel teurer als eine Ein-Euro-Flatrate. Direktbanken punkten mit Service, Beratung und Produktbreite, nicht mit dem Preis.
Was ist die Fremdkostenpauschale?
Die pauschale Weitergabe externer Abwicklungskosten für Clearing und Settlement. Bei Trade Republic ist sie der gesamte Orderpreis von einem Euro. Bei Flatex kommen zwei Euro zusätzlich zur Provision von 5,90 Euro.



