Die Renditen von Staatsanleihen haben in den vergangenen Wochen historische Höchststände erreicht. US-Staatsanleihen mit 30 Jahren Laufzeit erzielten bei einer Auktion über fünf Prozent Rendite – ein Niveau, das seit 25 Jahren nicht mehr verzeichnet wurde. Deutsche Bundesanleihen mit zehn Jahren Laufzeit stiegen auf 3,25 Prozent, den höchsten Stand seit 15 Jahren. Die Entwicklung belastet staatliche Finanzen und erhöht die Nervosität unter Investoren.
Ursachen der Renditesteigerungen
Die Blockade der Öllieferungen aus dem Persischen Golf hat die Ölpreise stark ansteigen lassen und die Inflation angeheizt. Zentralbanken wie die Europäische Zentralbank stehen unter Druck, bei anhaltender Teuerung mit Zinserhöhungen gegenzusteuern. Spekulationen über mögliche Leitzinsanhebungen treiben die Renditen für Staatsanleihen nach oben. Anleger verlieren zunehmend das Vertrauen auf eine baldige Lösung der Blockade in der Straße von Hormus.
US-Verschuldung überschreitet 40 Billionen Dollar
Die amerikanische Staatsverschuldung hat erstmals die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Nach einer Analyse des Bankhauses Metzler muss das US-Finanzministerium monatlich etwa 100 Milliarden Dollar allein für Zinszahlungen aufbringen – Tendenz steigend. Laut Eiko Sievert von der Rating-Agentur Scope spiegeln die steigenden Anleiherenditen wachsende Sorgen der Investoren angesichts hoher Haushaltsdefizite wider, sind jedoch noch kein direktes Indiz für eine unmittelbar bevorstehende Schuldenkrise.
Situation in Deutschland und Europa
Deutschland weist im Vergleich zu den USA einen wesentlich geringeren Verschuldungsgrad auf. Das Verhältnis zwischen öffentlichem Schuldendienst und nominalem Bruttoinlandsprodukt liegt bei rund 63 Prozent. Deutschland, die Niederlande und nordische Staaten gelten weiterhin als relativ sichere Kreditnehmer. Eine mögliche Schuldenkrise mit Ursprung in den USA hätte jedoch globale Auswirkungen und würde auch die deutsche Wirtschaft betreffen.
