Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) plant eine Neuausrichtung bei der Vergabe von Gaskraftwerks-Kapazitäten zugunsten nord- und ostdeutscher Bundesländer. Der bisherige Südbonus, der südliche Regionen bevorzugte, soll in seiner jetzigen Form entfallen. Ein entsprechender Änderungsantrag der Koalition liegt vor und soll noch diese Woche im Bundestag behandelt werden, bevor der Bundesrat am Freitag darüber berät.
Neue Vergaberegeln für Kraftwerkskapazitäten
Nach dem ursprünglichen Plan sollten bis zu zwei Drittel der ausgeschriebenen Kraftwerkskapazitäten vorrangig an den netztechnischen Süden gehen. Dieser umfasst Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Die neue Regelung sieht vor, dass zunächst die günstigsten Angebote ausgewählt werden. Der Südbonus greift erst dann, wenn mindestens ein Drittel aller Zuschläge an Länder im Norden und Osten vergeben wurde.
Verbesserte Chancen erhalten Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen. Reiche hatte bei einem Besuch des Energiekonzerns Leag im Sommer 2025 in Anwesenheit von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) den Bau neuer Gaskraftwerke zugesagt.
Bedeutung für den Kohleausstieg
Die neuen Gaskraftwerke sind entscheidend für das geplante Ende des Kohleabbaus bis 2038. Sie sollen als Reserve bei Dunkelflauten dienen, wenn Solar- und Windenergie wenig Strom liefern. Die Anlagen müssen zudem für die spätere Nutzung von Wasserstoff konzipiert sein. Der Energiekonzern Leag verfolgt entsprechende Pläne zum Bau von Gaskraftwerken mit Umrüstungsmöglichkeit auf Wasserstoff, um Beschäftigten nach dem Kohleausstieg langfristige Perspektiven zu bieten.
Positive Reaktionen aus den betroffenen Regionen
Dietmar Woidke zeigte sich erfreut über die Anpassungen: Die Nachricht sei gut für Brandenburg, die Lausitz und den Wirtschaftsstandort Deutschland insgesamt. Die Leag könne nun mit guten Chancen an künftigen Ausschreibungen teilnehmen. Energieunternehmen wie Leag in Brandenburg und Mibrag in Sachsen sowie Sachsen-Anhalt hatten die Bundesregierung zuvor zur Nachbesserung des Gesetzentwurfs aufgefordert. Im Juni hatte der Bundesrat einem entsprechenden Vorschlag zugestimmt, der gemeinsam von Sachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt initiiert worden war.
