In Deutschland arbeiten 18,3 Prozent der 15- bis 25-jährigen Erwerbstätigen mit befristeten Verträgen – nahezu jeder fünfte junge Arbeitnehmer. Damit liegt die Befristungsquote in dieser Altersgruppe mehr als dreimal so hoch wie im Gesamtdurchschnitt von 6 Prozent, was rund 2,2 Millionen Beschäftigten entspricht. Bei den 55- bis 65-Jährigen beträgt die Quote lediglich 2,8 Prozent.
Rückgang atypischer Beschäftigungsformen
Der Anteil befristeter Jobs ist seit 2015 von 7 Prozent auf aktuell 6 Prozent gesunken. Insgesamt arbeiten 6,4 Millionen Menschen oder 17,2 Prozent der Kernerwerbstätigen in atypischen Beschäftigungsformen wie Befristungen, Minijobs, kurzer Teilzeit oder Zeitarbeit. Langfristig zeigt sich ein deutlicher Rückgang: Vor einigen Jahren lag dieser Anteil noch bei 20,8 Prozent.
Befristungen: Selten freiwillig, oft kurzfristig
Nur 2,7 Prozent der befristet Beschäftigten haben diese Vertragsform freiwillig gewählt. Über die Hälfte der befristeten Verträge läuft weniger als ein Jahr. Besonders verbreitet sind Befristungen im Bildungssektor mit 11,2 Prozent sowie im Gastgewerbe mit 8,8 Prozent.
Nachteile befristeter Arbeitsverhältnisse
Stefan Körzell, Vize-Vorsitzender des DGB, kritisiert die Unsicherheiten befristeter Beschäftigung: Betroffene könnten ihr Leben schwer planen und Interessen am Arbeitsplatz kaum durchsetzen. Unbefristete Verträge seien unerlässlich für Mietverträge, Familiengründung oder langfristige Bindung an Unternehmen.
Debatte um sachgrundlose Befristungen
Die Regierungskoalition plant, sachgrundlose Befristungen auf bis zu 48 Monate zu verlängern. Neue Arbeitsverhältnisse könnten bis Ende 2030 bis zu sechsmal verlängert werden. Körzell fordert stattdessen die vollständige Abschaffung sachgrundloser Befristungen und betont, sichere Beschäftigung sei ein Standortvorteil. Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung unterstützt die geplanten Änderungen mit Verweis auf fehlende Risikoinvestitionen und neue Stellenangebote.
