Die deutsche Baubranche verzeichnete im Juni einen deutlichen Aufschwung mit höheren Umsätzen, mehr Aufträgen und steigenden Beschäftigtenzahlen. Der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe legte laut Statistischem Bundesamt um 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu, bereinigt um Preis- und Kalendereffekte. Die preisbereinigten Umsätze stiegen um 6,6 Prozent. Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich um 1,5 Prozent auf etwa 545.000 Arbeitskräfte.
Wachstum in Hoch- und Tiefbau
Sowohl im Hochbau, der stark vom Wohnungsbau geprägt ist, als auch im Tiefbau mit Straßen- und Brückenbau gab es signifikante Zuwächse bei den Bestellungen. Besonders stark fiel das Wachstum im Zeitraum von April bis Juni aus. Felix Pakleppa vom Baugewerbeverband ZDB bezeichnete den Juni als ausgesprochen erfolgreichen Monat, warnte jedoch vor voreiligen Schlüssen hinsichtlich einer möglichen Trendwende nach einem wechselhaften ersten Halbjahr.
Staatliche Infrastrukturinvestitionen als Stütze
Umfangreiche Investitionen des Bundes in Infrastrukturprojekte wie Straßen und Schienenwege trugen erheblich zur positiven Entwicklung bei. Der Wohnungsbaumarkt zeigt sich dagegen aufgrund gestiegener Zinsen stagnierend, was private Hausbauer und Investoren mit höheren Kosten belastet. Die Baugenehmigungen verzeichneten im ersten Halbjahr dennoch einen Anstieg von mehr als 15 Prozent – das stärkste Wachstum seit 2016.
Prognosen für das Gesamtjahr
Der Bauindustrieverband HDB sieht in den gestiegenen Auftragseingängen Hoffnung auf eine nachhaltige Markterholung, senkte seine Umsatzprognose für das Jahr jedoch von ursprünglich 2,5 Prozent auf 1 Prozent preisbereinigt. Als Grund nennt der Verband gestiegene Baukosten. Tim-Oliver Müller vom HDB rechnet damit, dass die Beschäftigungszahlen im laufenden Jahr um etwa 1 Prozent steigen werden, was einem Plus von rund 10.000 Arbeitsplätzen entspricht.
