Themen in diesem Artikel:
- Kreditvolumen: Rund 1,53 Bio. Euro Wohnungsbaukredite.
- Zinsen: Effektivzins je Zinsbindung im Vergleich.
- Darlehen & Tilgung: Typische Höhe, Bindung und Tilgungssatz.
- Monatsrate: Was Darlehen pro Monat wirklich kostet.
- Eigenkapital: Beleihung und wer überhaupt finanziert.
- Wohneigentum: Deutschland ist Mieterland Nummer eins.
Der Immobilienkredit-Berg: rund 1,53 Billionen Euro
Die privaten Haushalte in Deutschland schulden den Banken für Wohnimmobilien einen gewaltigen Betrag. Nach der Bankenstatistik der Deutschen Bundesbank belief sich der Bestand an Wohnungsbaukrediten an private Haushalte auf rund 1.531 Milliarden Euro zum ersten Quartal 2025 – also gut 1,53 Billionen Euro. Das ist die Summe aller noch nicht getilgten Immobiliendarlehen im Land.
Der größte Teil davon ist klassisch abgesichert: Rund 1.295 Milliarden Euro entfallen auf hypothekarisch gesicherte Kredite, also auf Darlehen mit Grundschuld auf dem finanzierten Objekt. Der Rest verteilt sich auf sonstige, nicht grundpfandrechtlich besicherte Wohnungsbaukredite. Trotz der hohen Bauzinsen der vergangenen Jahre wächst dieser Bestand weiter, wenn auch langsamer als in der Niedrigzinsphase.
Warum das Volumen so träge reagiert
Der Kreditbestand ist ein Bestandswert und verändert sich nur schrittweise. Jedes Jahr kommen neue Darlehen dazu, während alte planmäßig getilgt oder abgelöst werden. Selbst als das Neugeschäft nach der Zinswende deutlich einbrach, blieb der Gesamtbestand hoch – einfach weil laufende Baufinanzierungen über Jahrzehnte weiterlaufen. Wer die Größenordnung einordnen will: Diese 1,53 Billionen Euro entsprechen mehr als einem Drittel der deutschen Wirtschaftsleistung eines Jahres.
Für Kreditnehmer bedeutet dieser Berg vor allem eines: Immobilienfinanzierung ist die mit Abstand größte Verschuldungsart privater Haushalte. Einen Überblick über alle Kreditformen findest du im Ratgeber Kredite und Darlehen.
Neugeschäft und die Spuren der Zinswende
Der Bestand erzählt nur die halbe Geschichte. Aussagekräftiger für die aktuelle Lage ist das Neugeschäft, also die im jeweiligen Monat neu vergebenen Darlehen. Hier hat die Zinswende tiefe Spuren hinterlassen: Als die Bauzinsen innerhalb weniger Monate von unter einem Prozent auf über drei Prozent kletterten, brach die Nachfrage nach neuen Finanzierungen zeitweise deutlich ein. Viele Kaufinteressenten verschoben ihre Pläne, weil die höhere Monatsrate die finanzierbare Kaufsumme spürbar senkte.
Erst mit der Stabilisierung des Zinsniveaus zog das Neugeschäft wieder an. Weil aber gleichzeitig planmäßige Tilgungen und Ablösungen den Bestand mindern, wächst die Gesamtsumme nur langsam. Genau diese Trägheit macht den Kreditbestand zu einem verlässlichen Strukturindikator: Er zeigt, wie stark die deutsche Volkswirtschaft über Jahrzehnte an Wohnimmobilien gebunden ist – unabhängig von kurzfristigen Zinsschwankungen. Im Vergleich dazu sind reine Konsumentenkredite mit einem Bruchteil dieses Volumens ein Nebenschauplatz.
Was Immobilienkredite 2026 kosten: Zins nach Zinsbindung
Der Preis eines Immobilienkredits hängt maßgeblich davon ab, wie lange du dir den Zins festschreiben lässt. Die EZB-Zinsstatistik erfasst diese Effektivzinssätze im Neugeschäft nach anfänglicher Zinsbindung. Der durchschnittliche Effektivzins für neue Wohnungsbaukredite lag bei 3,31 % (Stand September 2025, Euroraum); der deutsche Durchschnitt bewegte sich mit rund 3,3 % auf praktisch demselben Niveau.
Auffällig ist, dass die Zinskurve zuletzt nahezu flach verlief. Kurze und mittlere Bindungen waren zeitweise sogar teurer als lange, weil die kurzfristigen Leitzinsen der EZB die variablen Konditionen nach oben zogen. Die folgende Tabelle zeigt die durchschnittlichen Effektivzinssätze im Neugeschäft.
| Anfängliche Zinsbindung | Durchschnittlicher Effektivzins |
|---|---|
| Variabel / bis 1 Jahr | 3,53 % |
| Über 1 bis 5 Jahre | 3,39 % |
| Über 5 bis 10 Jahre | 3,49 % |
| Über 10 Jahre | 3,17 % |
| Wohnungsbaukredite gesamt | 3,31 % |
Bemerkenswert: Sehr lange Bindungen über zehn Jahre waren mit 3,17 % zuletzt am günstigsten – ein historisch untypisches Bild, das die Sonderlage nach der Zinswende widerspiegelt. Das Zinsumfeld bleibt dabei vom Leitzins geprägt: Der Einlagenzins der EZB bewegt sich seit 2025 um 2,25 % und bildet den Boden, auf dem die Bauzinsen aufsetzen.
📌 Good to know
Die Effektivzinssätze der Bundesbank und EZB sind Durchschnittswerte über alle Banken, Bonitäten und Beleihungen hinweg. Deine persönliche Kondition kann deutlich abweichen. Tagesaktuelle Werte findest du im Zins-Monitor.
Effektivzins statt Sollzins – worauf es ankommt
Die Zahlen der Statistik sind Effektivzinssätze. Der Effektivzins enthält neben dem reinen Sollzins auch preisbestimmende Nebenkosten und ist deshalb der ehrlichere Vergleichsmaßstab. Wer Angebote prüft, sollte immer den effektiven Jahreszins gegenüberstellen, nicht den optisch niedrigeren Sollzins. Genau diese Vergleichbarkeit ist der Grund, warum die Bundesbank und die EZB ihre Zinsstatistik auf Effektivzinsbasis führen.
Die Höhe der Zinsbindung ist dabei keine reine Kostenfrage, sondern eine Risikoentscheidung. Eine lange Bindung sichert die Rate über zehn oder mehr Jahre und schützt vor steigenden Zinsen – kostet in normalen Marktphasen aber einen Aufschlag. Eine kurze Bindung ist günstiger, überträgt das Zinsrisiko jedoch auf den Kreditnehmer. Dass beide Enden der Kurve zuletzt eng beieinander lagen, ist die eigentliche Besonderheit des aktuellen Zinsumfelds: Die lange Sicherheit war fast zum Nulltarif zu haben.
Historisch ist ein Effektivzins von rund 3,3 % kein Ausreißer nach oben, sondern eher eine Rückkehr zur Normalität. Die Jahre mit Bauzinsen unter einem Prozent waren die eigentliche Ausnahme – ein Ergebnis der extrem lockeren Geldpolitik nach der Finanz- und der Eurokrise. Wer heute finanziert, rechnet also mit Konditionen, die im langfristigen Vergleich moderat sind, auch wenn sie sich nach den Rekordtiefs teuer anfühlen.
Effektivzins nach anfänglicher Zinsbindung (2025/26)
Darlehenshöhe, Tilgung und Zinsbindung in Zahlen
Wie hoch die Restschuld einer typischen Baufinanzierung ist, zeigt die Bundesbank-Studie „Private Haushalte und ihre Finanzen“ (PHF). Danach hatten in der jüngsten Erhebungswelle 18 % der Haushalte Hypothekenschulden. Wer betroffen war, trug im Median eine Restschuld von 93.600 Euro; der Mittelwert lag mit 166.100 Euro deutlich höher, weil einige große Finanzierungen den Durchschnitt nach oben ziehen.
Diese Werte sind Restschulden aller laufenden Finanzierungen, nicht die ursprüngliche Darlehenssumme bei Kauf. Neu abgeschlossene Baufinanzierungen liegen heute spürbar höher, weil Kaufpreise und Baukosten seit den 2010er-Jahren stark gestiegen sind. Sechsstellige Anfangsdarlehen sind bei Eigenheimen längst die Regel.
Wie lange gebunden, wie schnell getilgt
Bei der Zinsbindung dominiert in Deutschland traditionell die lange Frist: Zehn Jahre gelten als Standard, viele Haushalte wählen 15 oder sogar über 20 Jahre, um Planungssicherheit zu bekommen. Der Tilgungssatz bestimmt, wie schnell die Schuld sinkt. Wichtig zu verstehen: Ein Tilgungssatz von 2 % bedeutet nicht, dass du in 50 Jahren fertig bist – durch den Zinseszinseffekt beim Annuitätendarlehen steigt der Tilgungsanteil mit jeder Rate, und die tatsächliche Laufzeit fällt deutlich kürzer aus.
💡 Tip
Ein höherer Anfangstilgungssatz verkürzt die Laufzeit überproportional und senkt die gesamten Zinskosten. Zwischen 2 % und 3 % Anfangstilgung liegen bei einem großen Darlehen schnell fünfstellige Zinsersparnisse über die Laufzeit.
Warum die Restschuld so aussagekräftig ist
Der Median von 93.600 Euro ist deshalb so interessant, weil er robuster gegenüber Ausreißern ist als ein Mittelwert. Er sagt: Die Hälfte der finanzierenden Haushalte trägt weniger, die andere Hälfte mehr Restschuld. Dass der Mittelwert mit 166.100 Euro fast doppelt so hoch liegt, zeigt eine ausgeprägte Streuung – von der fast abbezahlten Bestandsimmobilie bis zur frisch aufgenommenen Vollfinanzierung im Ballungsraum ist alles dabei.
Über die Zeit ist diese Restschuld gewachsen: In früheren Wellen der PHF-Studie lag der Median noch unter 85.000 Euro. Der Anstieg spiegelt die gestiegenen Kaufpreise wider – wer heute kauft, nimmt tendenziell größere Summen auf und startet mit einer höheren Ausgangsschuld. Instrumente wie Sondertilgungen oder ein Tilgungssatzwechsel gewinnen dadurch an Bedeutung, weil sie helfen, diese größeren Darlehen schneller abzubauen und die Restschuld bei der Anschlussfinanzierung zu drücken.
Sondertilgung und Tilgungssatzwechsel
Zwei vertragliche Instrumente helfen, ein Darlehen schneller abzubauen. Die Sondertilgung erlaubt es, zusätzlich zur laufenden Rate außerplanmäßig Kapital zurückzuzahlen – je nach Vertrag bis zu 5 % der Darlehenssumme pro Jahr, oft kostenfrei. Jeder sondergetilgte Euro spart Zinsen für die gesamte Restlaufzeit, weil er die verzinste Restschuld sofort senkt statt erst über Jahre hinweg.
Der Tilgungssatzwechsel lässt dich die Anfangstilgung während der Zinsbindung anpassen. Wer vorsichtig mit nur 1 % startet, streckt die Rückzahlung eines Darlehens bei 3,5 % Sollzins rechnerisch auf über 40 Jahre; eine spätere Anhebung auf 2 oder 3 % zieht diesen Horizont deutlich zusammen. Beide Optionen sind aber nur nutzbar, wenn sie im Kreditvertrag ausdrücklich vereinbart wurden – nachträglich lassen Banken sie sich oft mit einem Aufschlag bezahlen.
Das Zinsänderungsrisiko am Ende der Bindung
Weil die lange Zinsbindung in Deutschland die Regel ist, verschiebt sich das eigentliche Risiko ans Ende der Frist. Nach zehn oder fünfzehn Jahren steht die Anschlussfinanzierung an – und die läuft zu dem Zins, der dann gilt. Wer mit sehr niedriger Tilgung startet, trägt hier das größte Risiko, weil eine hohe Restschuld auf ein womöglich höheres Zinsniveau trifft. Genau das haben viele Haushalte gespürt, deren günstige Finanzierung aus der Niedrigzinsphase in den vergangenen Jahren auslief.
Absichern lässt sich dieses Risiko auf zwei Wegen: über eine von vornherein höhere Tilgung, die die Restschuld klein hält, oder über sehr lange Zinsbindungen, die den aktuellen Zins möglichst weit in die Zukunft festschreiben. Beide Wege kosten in der laufenden Rate mehr, kaufen dafür aber Sicherheit. Welcher Weg passt, hängt vom Einkommen, vom Alter und von der eigenen Risikobereitschaft ab – eine pauschal richtige Antwort gibt es nicht.
Was die Monatsrate wirklich ausmacht
Die monatliche Belastung eines Annuitätendarlehens ergibt sich aus Sollzins und Anfangstilgung. Die Formel ist einfach: Darlehenssumme multipliziert mit der Summe aus Zins- und Tilgungssatz, geteilt durch zwölf. Bei einem angenommenen Sollzins von 3,5 % ergeben sich für gängige Darlehenshöhen die folgenden Startraten.
| Darlehen | 2 % Tilgung | 3 % Tilgung |
|---|---|---|
| 300.000 € | 1.375 € | 1.625 € |
| 400.000 € | 1.833 € | 2.167 € |
| 500.000 € | 2.292 € | 2.708 € |
Die Rechenbeispiele zeigen, wie stark die Tilgung durchschlägt. Ein 400.000-Euro-Darlehen kostet bei 2 % Tilgung rund 1.833 Euro im Monat, bei 3 % sind es schon etwa 2.167 Euro – ein Aufschlag von mehr als 330 Euro. Das Geld ist aber nicht verloren, sondern fließt direkt in die Entschuldung.
Der Restschuld-Effekt nach zehn Jahren
Genau hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Bei den 400.000 Euro (3,5 % Sollzins, 2 % Tilgung) sind nach zehn Jahren Zinsbindung erst rund 96.000 Euro getilgt – die Restschuld liegt noch bei etwa 304.000 Euro. Mit 3 % Anfangstilgung sinkt sie im selben Zeitraum auf rund 257.000 Euro. Wer höher tilgt, steht bei der Anschlussfinanzierung mit deutlich weniger Restschuld da und ist gegen steigende Zinsen besser gewappnet.
📌 Good to know
Die Startrate bleibt beim Annuitätendarlehen über die Zinsbindung konstant. Innerhalb der Rate verschiebt sich das Verhältnis aber laufend: Der Zinsanteil sinkt, der Tilgungsanteil wächst – deshalb ist die Restschuld nach zehn Jahren höher, als viele erwarten.
Was die Gesamtzinslast bedeutet
Über die ersten zehn Jahre zahlt der Beispielhaushalt mit dem 400.000-Euro-Darlehen bei 3,5 % Sollzins rund 130.000 Euro an die Bank – davon fließt bei 2 % Anfangstilgung nur etwa ein Drittel in die eigentliche Entschuldung, der Rest ist Zins. Genau deshalb ist die Frage nach der Tilgungshöhe keine Nebensache: Sie entscheidet, wie viel der monatlichen Belastung Vermögensaufbau ist und wie viel schlicht Zinskosten sind.
Ein weiterer Hebel ist der Zinssatz selbst. Schon ein halber Prozentpunkt mehr oder weniger verändert die Monatsrate eines großen Darlehens um mehrere Hundert Euro. Bei 400.000 Euro und 2 % Tilgung bedeutet ein Sprung von 3,5 % auf 4,0 % Sollzins eine um rund 170 Euro höhere Monatsrate – über die gesamte Laufzeit summiert sich das zu einem fünfstelligen Betrag. Wer sein Budget plant, sollte deshalb nie nur die aktuelle Rate betrachten, sondern auch ein Zinsszenario für die Anschlussfinanzierung durchrechnen.
Wie lange bis zur Volltilgung
Der Anfangstilgungssatz entscheidet nicht nur über die Rate, sondern über die gesamte Laufzeit. Bei den 400.000 Euro und 3,5 % Sollzins ist das Darlehen mit 2 % Anfangstilgung nach rund 29 Jahren abbezahlt, mit 3 % Anfangstilgung schon nach etwa 22 Jahren. Eine magere Anfangstilgung von nur 1 % würde die Rückzahlung dagegen auf rund 43 Jahre strecken – für viele Kaufende reicht das bis weit in den Ruhestand hinein.
Noch deutlicher wird der Effekt bei den Zinskosten bis zur letzten Rate. Beim 400.000-Euro-Darlehen summieren sich die Zinsen bei 2 % Anfangstilgung über die volle Laufzeit auf rund 237.000 Euro, bei 3 % nur noch auf etwa 175.000 Euro. Der höhere Tilgungssatz spart hier also über 60.000 Euro an reinen Zinskosten – bei einer nur um rund 330 Euro höheren Monatsrate. Genau dieser Hebel macht die Anfangstilgung zur wichtigsten Stellschraube der gesamten Finanzierung.
Eigenkapital, Beleihung und wer überhaupt finanziert
Nicht jeder Haushalt trägt eine Immobilienfinanzierung. Laut PHF-Studie der Bundesbank hatten zuletzt nur 18 % der Haushalte Hypothekenschulden. Die große Mehrheit lebt entweder zur Miete oder wohnt im abbezahlten Eigentum – letzteres betrifft vor allem ältere Haushalte, die ihre Finanzierung längst abgeschlossen haben.
Zum Vergleich: Über alle Schuldenarten hinweg waren rund 39 % der Haushalte überhaupt verschuldet, mit einem Median von etwa 19.700 Euro. Die Hypothek ist damit die seltenere, aber mit Abstand größte Schuldposition. Das erklärt, warum die Restschulden im Immobilienbereich so hoch ausfallen: Wer finanziert, finanziert richtig.
Eigenkapital und Beleihungsauslauf
Wie viel eigenes Geld ins Objekt fließt, entscheidet über Zins und Sicherheit. Der Beleihungsauslauf beschreibt, welcher Anteil des Objektwerts über den Kredit finanziert wird. Grundsätzlich gilt: Je mehr Eigenkapital, desto niedriger der Beleihungsauslauf – und desto günstiger meist der Zins, weil das Ausfallrisiko der Bank sinkt. Kaufnebenkosten wie Grunderwerbsteuer, Notar und Makler sollten möglichst aus Eigenkapital gedeckt sein, da sie den Objektwert nicht erhöhen.
💡 Tip
Ein niedrigerer Beleihungsauslauf wirkt doppelt: Er senkt den Zinssatz und verkleinert die Restschuld bei der Anschlussfinanzierung. Wer die Nebenkosten aus Eigenkapital zahlt und zusätzlich Kapital einbringt, verbessert seine Kondition oft spürbar.
Alter, Vermögen und der Zugang zur Finanzierung
Hinter den 18 % finanzierender Haushalte steht ein klares Altersmuster. Immobilienkredite konzentrieren sich auf die mittleren Lebensjahre: In den Dreißigern und Vierzigern werden die meisten Darlehen aufgenommen, während ältere Haushalte ihre Finanzierung überwiegend abgeschlossen haben. Wer im Alter Eigentum besitzt, wohnt deshalb häufig schuldenfrei – ein wichtiger Baustein der privaten Altersvorsorge, der in reinen Vermögensstatistiken oft untergeht.
Zugleich ist der Zugang zur Finanzierung stark vom vorhandenen Eigenkapital abhängig. Weil Banken bei knappem Eigenkapital höhere Zinsen verlangen oder ganz ablehnen, sind Haushalte ohne Erspartes oder familiäre Unterstützung im Nachteil. Öffentliche Förderdarlehen, etwa der staatlichen Förderbank, können die Konditionen für bestimmte Vorhaben verbessern und sind ein fester Bestandteil vieler Finanzierungen. Sie ersetzen aber kein Eigenkapital, sondern ergänzen die klassische Bankfinanzierung.
Mieterland Deutschland: Wohneigentum im EU-Vergleich
Die niedrige Zahl finanzierender Haushalte hat einen strukturellen Grund: Deutschland ist das Mieterland Nummer eins in der EU. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lebten 52,8 % der Bevölkerung im Jahr 2025 zur Miete – der höchste Wert aller Mitgliedstaaten. Umgekehrt heißt das: Nur rund 47 % wohnen im Eigentum, während der EU-Durchschnitt bei etwa 69 % liegt.
Die haushaltsbezogene Eigentümerquote des Zensus fällt sogar noch niedriger aus: Nur 41,9 % der Haushalte lebten in den eigenen vier Wänden. Zugleich ist die Wohnfläche hoch – im Schnitt stehen jedem Einwohner 47,7 Quadratmeter zur Verfügung. Die folgende Tabelle zeigt den Mieteranteil im Ländervergleich.
| Land | Anteil Mieter (2025) |
|---|---|
| Deutschland | 52,8 % |
| Frankreich | 38,6 % |
| Spanien | 26,4 % |
| Polen | 12,8 % |
Dieser Strukturunterschied erklärt vieles: Weil in Deutschland weniger Menschen kaufen, ist die Zahl der Finanzierungen gemessen an der Bevölkerung überschaubar – die einzelne Finanzierung fällt dafür groß aus. Hohe Kaufpreise, hohe Kaufnebenkosten und der lange Mietmarkt greifen ineinander. Eine Übersicht aller Finanzierungsformen bietet der Bereich Kredite und Darlehen.
Warum die Quote so niedrig bleibt
Die deutsche Eigentumsquote ist zuletzt nicht gestiegen, sondern eher leicht gesunken. Das ist bemerkenswert, weil in vielen anderen EU-Ländern Eigentum die Norm ist. Ein Grund liegt in den vergleichsweise hohen Kaufnebenkosten aus Grunderwerbsteuer, Notar und Maklerprovision, die in Deutschland zusammen einen zweistelligen Prozentanteil des Kaufpreises ausmachen und komplett aus Eigenkapital zu tragen sind. Für viele junge Haushalte ist genau diese Hürde entscheidend.
Hinzu kommt ein funktionierender, stark regulierter Mietmarkt, der das Mieten zu einer dauerhaften und akzeptierten Wohnform macht – anders als in Ländern mit schwächerem Mieterschutz, wo Eigentum oft alternativlos erscheint. Für die Immobilienfinanzierung bedeutet das: Die Nachfrage nach Baufinanzierungen ist eng an Kaufpreisentwicklung, Zinsniveau und Eigenkapitalbildung gekoppelt. Steigen Kaufpreise schneller als die Ersparnisse, geraten gerade Erstkäufer unter Druck – und die Quote verharrt auf niedrigem Niveau.
Anteil der Mieter im EU-Vergleich (2025)
Quellen und Methodik
Alle Zahlen stammen ausschließlich aus amtlichen Primärquellen (Deutsche Bundesbank, Europäische Zentralbank, Statistisches Bundesamt). Zinssätze beziehen sich auf das Neugeschäft der MFI-Zinsstatistik (Stand September 2025), Volumina auf die Bankenstatistik (erstes Quartal 2025), Restschulden auf die PHF-Studie. Die monatlichen Raten und Restschulden wurden mit der Annuitätenformel eigenständig berechnet (Sollzins 3,5 %, Beispielwerte). Stand: Juli 2026.
- Deutsche Bundesbank: MFI-Zinsstatistik (Bestände, Neugeschäft)
- Deutsche Bundesbank: Zinssätze für Wohnungsbaukredite an private Haushalte
- Deutsche Bundesbank: Kredite der Banken an Unternehmen und Privatpersonen – Wohnungsbaukredite (2025)
- Deutsche Bundesbank: Private Haushalte und ihre Finanzen (PHF)
- Europäische Zentralbank: MFI-Zinsstatistik für den Euroraum, September 2025
- Europäische Zentralbank: Leitzinsen der EZB
- Statistisches Bundesamt: Mieteranteil im EU-Vergleich (2025)
- Statistisches Bundesamt: Eigentumsquote (Zensus)
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist der Immobilienkredit-Bestand in Deutschland?
Der Bestand an Wohnungsbaukrediten an private Haushalte lag laut Bundesbank-Bankenstatistik bei rund 1.531 Milliarden Euro (erstes Quartal 2025), also gut 1,53 Billionen Euro. Davon sind etwa 1.295 Milliarden Euro hypothekarisch gesichert.
Wie hoch ist der durchschnittliche Bauzins 2026?
Der durchschnittliche Effektivzins für neue Wohnungsbaukredite lag bei rund 3,3 % (Stand September 2025). Nach Zinsbindung reichte er von 3,17 % bei über zehn Jahren bis 3,53 % bei variabler oder kurzer Bindung. Die persönliche Kondition kann davon abweichen.
Wie viele Haushalte haben eine Immobilienfinanzierung?
Rund 18 % der Haushalte trugen laut PHF-Studie der Bundesbank Hypothekenschulden. Die betroffenen Haushalte hatten im Median eine Restschuld von etwa 93.600 Euro, im Mittel rund 166.100 Euro. Insgesamt waren etwa 39 % der Haushalte verschuldet.
Wie hoch ist die Wohneigentumsquote in Deutschland?
Deutschland ist Mieterland Nummer eins in der EU: 52,8 % der Bevölkerung lebten 2025 zur Miete, nur rund 47 % im Eigentum. Der EU-Durchschnitt liegt bei etwa 69 % Eigentum. Die haushaltsbezogene Eigentümerquote des Zensus beträgt 41,9 %.
Wie berechnet sich die monatliche Rate?
Die Startrate eines Annuitätendarlehens ergibt sich aus Darlehenssumme mal Summe von Sollzins und Tilgungssatz, geteilt durch zwölf. Bei 400.000 Euro, 3,5 % Zins und 2 % Tilgung sind das rund 1.833 Euro pro Monat; mit 3 % Tilgung etwa 2.167 Euro.



