Themen in diesem Artikel:
- Definition und Grundprinzip: Verstehe, wie ein Geldmarkt-ETF den Übernachtzins €STR (2,19 %) zwischen Banken abbildet.
- Renditemechanik erklärt: Erfahre, wie aus €STR plus 0,085 % Aufschlag minus 0,10 % TER rund 2,07 % netto werden.
- Physisch oder synthetisch: Vergleiche beide Replikationswege — der Renditeunterschied liegt bei nur 0,02 bis 0,05 % pro Jahr.
- Die wichtigsten Produkte: Überblick über sieben Geldmarkt-ETFs vom 22,6-Mrd.-Marktführer bis zur USD-Variante.
- ETF vs. Tagesgeld vs. Festgeld: Finde heraus, ab welcher Summe der ETF Neobank-Zinsen von 2,50 % schlägt.
- Sicherheit und Risiken: Verstehe Sondervermögen, fehlende Einlagensicherung und das Verlustszenario bei −0,59 % Negativzins.
- Steuern und Vorabpauschale: Lerne, warum 26,375 % ohne Teilfreistellung gelten und wann die Vorabpauschale fällig wird.
- Einsatz in der Praxis: Entdecke, für welche Sparziele und Summen sich ein Geldmarkt-ETF wirklich eignet.
Was ist ein Geldmarkt-ETF? Definition und Grundprinzip
Ein Geldmarkt-ETF ist ein börsengehandelter Fonds, der den kurzfristigen Zinsmarkt abbildet — also den Zins, den sich Banken untereinander für Übernachtkredite und kurzfristige Einlagen zahlen. Statt eines Aktienindex wie dem MSCI World folgt er einem Zinssatz. Im Euroraum ist das der €STR (Euro Short-Term Rate), der aktuell bei 2,19 % steht (Stand 19.08.2026). Dein investiertes Geld wächst dadurch täglich um einen winzigen Betrag, der genau diesem Zinsniveau entspricht.
Der €STR ist kein theoretischer Wert. Die Europäische Zentralbank veröffentlicht ihn jeden Handelstag um 08:00 Uhr MEZ, berechnet aus tatsächlichen, unbesicherten Übernacht-Transaktionen zwischen Banken. Er misst also, was großes Geld über Nacht wirklich kostet — und genau diese Verzinsung holst du dir mit einem Geldmarkt-ETF ins Depot. Das ist der zentrale Unterschied zu einem Tagesgeldkonto: Dort legt deine Bank den Zins fest, oft mit befristetem Lockangebot. Beim Geldmarkt-ETF bekommst du den Marktzins, ohne Verhandlung und ohne Aktionsbedingungen.
Das Anlageuniversum ist bewusst eng gefasst. Geldmarkt-ETFs investieren in Geldmarktinstrumente und Anleihen mit Restlaufzeiten unter zwölf Monaten — und zwar ausschließlich in höchste Bonitäten im Investment-Grade-Bereich, typischerweise Ratings von AAA bis A. Die Akteure an diesem Markt sind Staaten, Finanzinstitute und große Unternehmen, die sich kurzfristig Liquidität beschaffen oder überschüssiges Geld parken. Ausfallrisiken einzelner Schuldner spielen deshalb eine viel kleinere Rolle als bei klassischen Anleihen-ETFs mit langen Laufzeiten.
Aus dieser Konstruktion folgen zwei Eigenschaften, die den Geldmarkt-ETF besonders machen. Erstens: praktisch keine Kursschwankungen. Weil die Laufzeiten extrem kurz sind, reagiert der Kurs kaum auf Zinsänderungen am Kapitalmarkt — er steigt in kleinen, gleichmäßigen Schritten. Zweitens: volle Flexibilität. Du kannst börsentäglich kaufen und verkaufen, ohne Kündigungsfristen, ohne Betragsgrenzen, ohne Laufzeitbindung. Genau deshalb hat sich diese Anlageklasse seit der Zinswende zu einem der beliebtesten Instrumente zum Geldparken entwickelt — die größten Produkte verwalten heute zweistellige Milliardenbeträge.
Wie funktioniert die Renditemechanik? Der €STR als Motor
Die Rendite eines Geldmarkt-ETFs folgt einer einfachen Formel: Effektive Rendite = €STR + Swap-Aufschlag − laufende Kosten (TER). Beim größten Produkt am Markt sieht die Rechnung konkret so aus: 2,18 % €STR plus 0,085 % Swap-Aufschlag ergibt rund 2,265 % brutto. Davon gehen 0,10 % TER ab — bleiben etwa 2,07 % pro Jahr vor Steuern. Nach Abgeltungssteuer von 26,375 % (bei ausgeschöpftem Sparerpauschbetrag) kommen ungefähr 1,5 % netto bei dir an.
Wichtig zu verstehen: Es gibt keinen festen Zins. Der Kurs des ETF steigt jeden Handelstag um ein Dreihundertfünfundsechzigstel des aktuellen Jahreszinses. Senkt die EZB die Leitzinsen, sinkt der €STR am nächsten Tag mit — und dein ETF wächst langsamer. Hebt sie an, profitierst du sofort. Zur Einordnung des aktuellen Zinsgefüges: Der EZB-Einlagenzins liegt seit dem 17.06.2026 bei 2,25 %, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,40 %, der €STR pendelt mit 2,18 bis 2,19 % knapp darunter. Der €STR klebt strukturell nah am Einlagenzins, weil Banken überschüssige Liquidität alternativ bei der EZB parken könnten.
Wie stark sich das Zinsniveau bewegen kann, zeigt die jüngere Geschichte. Im März 2022 lag der €STR bei seinem Rekordtief von −0,59 % — ein Geldmarkt-ETF verlor damals also täglich minimal an Wert. Im Juni 2024 erreichte er mit 3,91 % sein Rekordhoch, bevor die Zinssenkungen der EZB ihn auf die heutigen 2,19 % zurückführten. Der Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2026 liegt bei nur 1,31 %. Wer heute investiert, sollte also wissen: Die 2 % sind kein Versprechen, sondern eine Momentaufnahme.
€STR-Entwicklung: Vom Negativzins zum Zinshoch und zurück
Physisch oder synthetisch: Die zwei Replikationswege
Ein Geldmarkt-ETF kann den kurzfristigen Zins auf zwei Wegen abbilden — und beide Wege haben klare Profile.
Physische Replikation: Der ETF kauft die Papiere selbst
Bei der physischen Variante kauft der Fonds die Wertpapiere tatsächlich, zum Beispiel kurzlaufende Staatsanleihen mit Restlaufzeiten unter zwölf Monaten. Bei breiten Indizes kommt oft Sampling zum Einsatz: eine optimierte Teilauswahl, die den Index mit weniger Positionen nachbildet. Der Vorteil liegt auf der Hand — du siehst im Fondsbericht exakt, welche Anleihen du hältst, und bist direkt an deren Zinserträgen beteiligt. Typische Vertreter sind ETFs auf Euro-Staatsanleihen mit null bis zwölf Monaten Restlaufzeit, mit laufenden Kosten von 0,07 bis 0,15 %.
Synthetische Replikation: Trägerportfolio plus Swap
Die meisten großen Geldmarkt-ETFs arbeiten synthetisch. Der Fonds hält ein Trägerportfolio aus hochwertigen Wertpapieren — meist Staatsanleihen — und tauscht dessen Rendite über einen Swap-Vertrag mit einer Bank gegen die €STR-Verzinsung plus einen kleinen Aufschlag. Beim Marktführer zählt unter anderem die Deutsche Bank zu den Swap-Kontrahenten, der Aufschlag beträgt 0,085 %. Diese Konstruktion nennt sich Unfunded Swap: Das Fondsvermögen bleibt im Trägerportfolio, nur die Renditedifferenz wird getauscht. Die Vorteile: geringere Transaktionskosten, ein niedrigerer Tracking Error und eine sehr präzise Abbildung des €STR. Der Nachteil: Es entsteht ein Kontrahentenrisiko gegenüber der Swap-Bank, und die Konstruktion ist für Laien schwerer nachzuvollziehen.
Wie groß ist das Kontrahentenrisiko wirklich?
Kleiner, als es klingt. Das Swap-Volumen wird täglich auf null zurückgesetzt — die offene Forderung gegenüber der Bank entspricht also maximal der Wertentwicklung eines einzigen Tages. Zusätzlich sind Swaps häufig mit über 100 % besichert. Selbst im Krisenjahr 2008 lag das tatsächliche Swap-Risiko bei Renten- und Geldmarkt-ETFs im Schnitt bei nur 1 bis 3 % des Fondsvermögens. Und in der Rendite? Der Unterschied zwischen physischer und synthetischer Replikation beträgt in der Praxis gerade einmal 0,02 bis 0,05 % pro Jahr. Die Replikationsfrage ist damit eher eine Geschmacks- als eine Renditefrage.
📌 Good to know
„Synthetisch“ heißt nicht „ungedeckt“. Dein Geld steckt beim Swap-ETF in einem realen Trägerportfolio aus hochwertigen Anleihen — getauscht wird nur die Renditedifferenz, und die wird täglich glattgestellt.
Die wichtigsten Geldmarkt-ETFs im Vergleich
Der Markt wird von wenigen großen Produkten dominiert. Unangefochtener Marktführer ist der Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap 1C (DBX0AN, ISIN LU0290358497) mit rund 22,6 Milliarden Euro Fondsvolumen. Er wurde bereits am 25.05.2007 aufgelegt, kostet 0,10 % pro Jahr, thesauriert die Erträge und erzielte auf Jahressicht +2,0 %. Dahinter folgen zwei Amundi-Produkte mit rund 7,0 und 3,2 Milliarden Euro, ebenfalls als Swap-ETFs mit 0,10 % TER.
Die Kostenspanne am Gesamtmarkt reicht von 0,05 bis 0,72 % pro Jahr — ein enormer Unterschied bei einer Anlageklasse, deren Bruttorendite aktuell bei gut 2,2 % liegt. Ein ETF mit 0,72 % TER frisst ein Drittel des Zinses auf. Die günstigsten empfehlenswerten Produkte liegen bei 0,10 %; mehr als 0,15 % musst du für einen Euro-Geldmarkt-ETF nicht bezahlen.
ETF-Vergleich: Kosten, Replikation und Volumen (Stand 2026)
| ETF | ISIN | TER | Replikation | Ertrag | Volumen |
|---|---|---|---|---|---|
| Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap 1C (DBX0AN) | LU0290358497 | 0,10 % | Swap | Thesaurierend | 22,6 Mrd. € |
| Amundi Smart Overnight Return Acc | LU1190417599 | 0,10 % | Swap | Thesaurierend | 7,0 Mrd. € |
| Amundi EUR Overnight Return Acc | FR0010510800 | 0,10 % | Swap | Thesaurierend | 2,3 Mrd. € |
| Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap 1D | LU0335044896 | 0,10 % | Swap | Ausschüttend | 1,2 Mrd. € |
| Amundi Govies 0–6 Months EuroMTS IG | FR0010754200 | 0,14 % | Physisch | Thesaurierend | — |
| iShares € Govt Bond 0-1yr | IE00B3FH7618 | 0,07 % | Physisch | Ausschüttend | — |
| PIMCO US Dollar Short Maturity Dist | IE00B67B7N93 | 0,35 % | Sampling | Ausschüttend | 3,2 Mrd. € |
Wie sich die Produkte über die Zeit entwickeln, zeigt der zugrunde liegende Index: Der Solactive €STR +8.5 Daily legte auf ein Jahr +2,03 % zu, auf drei Jahre +9,00 % und auf fünf Jahre +10,74 %. Ein Realitätscheck über einzelne Kalenderjahre ist noch aufschlussreicher: Der Amundi Smart Overnight Return erzielte 2022 magere 0,13 %, 2023 dann 3,28 %, 2024 in der Spitze 3,99 %, 2025 noch 2,64 % und liegt 2026 bisher bei 1,56 %. Die Rendite atmet also spürbar mit dem EZB-Zyklus.
Bei der Wahl zwischen thesaurierend und ausschüttend gilt: Thesaurierer legen die Zinserträge automatisch wieder an — praktisch für den Zinseszinseffekt, aber mit Vorabpauschale verbunden. Ausschüttende Varianten überweisen die Erträge aufs Konto. Vorsicht bei Fremdwährungs-Varianten: Ein USD-Geldmarkt-ETF verzinst zwar mit dem US-Zinsniveau, doch das Wechselkursrisiko kann die Rendite komplett auffressen — die USD-Klasse verlor allein im Kalenderjahr 2025 7,4 % in Euro gerechnet. Für den Notgroschen gehört die Anlage in die eigene Währung.
Geldmarkt-ETF vs. Tagesgeld vs. Festgeld: Was lohnt sich wann?
Die kurze Antwort: Für kleine Beträge gewinnt meist das Neobank-Tagesgeld, für große Summen der Geldmarkt-ETF. Aktuell zahlen Neobroker 2,25 bis 2,50 % auf Tagesgeld — mehr als die rund 2,07 %, die ein Geldmarkt-ETF nach Kosten liefert. Doch diese Zinsen sind oft gedeckelt, befristet oder an Bedingungen geknüpft. Der ETF dagegen liefert dauerhaft den Marktzins, auch für sehr große Summen, ohne dass du regelmäßig die Bank wechseln musst.
Rechnen wir das Nach-Steuer-Beispiel durch: Bei einem €STR von 2,19 % und 0,10 % TER kommt der ETF auf etwa 2,09 % vor Steuern, nach Abgeltungssteuer bleiben rund 1,54 %. Ein Tagesgeldkonto mit 2,0 % liefert nach Steuern etwa 1,47 %. Der Unterschied ist klein — entscheidend sind die Rahmenbedingungen. Beim Tagesgeld gilt der Aktionszins oft nur drei bis sechs Monate für Neukunden, danach fällst du auf deutlich weniger zurück. Wer nicht regelmäßig „Zins-Hopping“ betreiben will, fährt mit dem ETF langfristig marktnäher.
Festgeld spielt eine andere Rolle: Es bietet einen festen Zins, meist über Tagesgeldniveau, aber dein Geld ist bis zum Laufzeitende gebunden. Das lohnt sich, wenn du fallende Zinsen erwartest und den heutigen Satz festschreiben willst — für den flexiblen Notgroschen ist es ungeeignet. Die drei Anlageformen im Überblick:
Kriterienvergleich: Geldmarkt-ETF, Tagesgeld und Festgeld (2026)
| Kriterium | Geldmarkt-ETF | Tagesgeld | Festgeld |
|---|---|---|---|
| Rendite (brutto) | ~2,1 %, €STR-nah, variabel | 1,0–3,25 %, Neobanken 2,25–2,50 % (oft Lockzins) | fest, meist über Tagesgeld |
| Kosten | TER ~0,10 % + Order/Spread | keine | keine |
| Sicherheit | Sondervermögen, keine Einlagensicherung | gesetzlich bis 100.000 € | gesetzlich bis 100.000 € |
| Verfügbarkeit | börsentäglich | täglich | erst zum Laufzeitende |
| Volumen | ohne Betragsdeckel | oft gedeckelt, Aktionszins befristet | fix |
| Steuern | 26,375 %, keine Teilfreistellung, Vorabpauschale | 26,375 % | 26,375 % |
Jahresrenditen eines Overnight-Geldmarkt-ETF im EZB-Zyklus
💡 Tip
Ab Summen über 100.000 € pro Bank endet die gesetzliche Einlagensicherung — genau hier spielt der Geldmarkt-ETF seinen Trumpf aus. Als Sondervermögen ist dein Kapital unabhängig von der Bonität einer einzelnen Bank geschützt, egal ob du 10.000 € oder 2 Millionen parkst.
Sicherheit und Risiken: Sondervermögen statt Einlagensicherung
Der wichtigste Sicherheitsbaustein eines Geldmarkt-ETFs ist der Status als Sondervermögen. Dein Anteil am Fonds wird getrennt vom Vermögen der Fondsgesellschaft verwahrt. Geht die Gesellschaft insolvent, fällt dein Geld nicht in die Insolvenzmasse — es gehört weiterhin dir. Was der ETF dagegen nicht hat: die gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 €, die für Tagesgeld und Festgeld gilt. Das sind zwei unterschiedliche Schutzmechanismen, kein besser oder schlechter — für sehr große Summen ist das Sondervermögen sogar der stärkere Schutz, weil es keine Obergrenze kennt.
Verlustfrei ist ein Geldmarkt-ETF trotzdem nicht. Das relevanteste Szenario ist ein negativer Referenzzins: Im März 2022 lag der €STR bei −0,59 %, und Geldmarkt-ETFs verloren entsprechend langsam, aber stetig an Wert. Sollte die EZB jemals in die Negativzinswelt zurückkehren, würde sich das wiederholen. Kursstürze wie bei Aktien sind konstruktionsbedingt ausgeschlossen — aber ein schleichendes Minus bei Nullzins plus laufenden Kosten ist real.
Das Swap-Kontrahentenrisiko der synthetischen Produkte haben wir oben eingeordnet: tägliches Zurücksetzen des Swap-Volumens, Besicherung häufig über 100 %, historisch selbst in der Finanzkrise 2008 nur 1 bis 3 % tatsächliches Risiko. Im schlimmsten denkbaren Fall — Ausfall der Swap-Bank — hältst du weiterhin das Trägerportfolio aus hochwertigen Staatsanleihen.
Bleibt das Währungsrisiko: Es betrifft ausschließlich Varianten in Fremdwährung. Ein USD-Geldmarkt-ETF verlor im Kalenderjahr 2025 7,4 % in Euro gerechnet — obwohl der US-Zins höher lag als der Euro-Zins. Für Euro-Anleger, die Sicherheit suchen, gilt deshalb: Euro-Produkte wählen, Fremdwährung meiden. Und schließlich der Blick auf die Marktbreite: Renditen von Geldmarktfonds liegen aktuell zwischen 2,2 und 2,9 % brutto — Produkte am oberen Rand erkaufen sich das oft mit etwas längeren Laufzeiten oder leicht niedrigerer Bonität. Wer den reinen Übernachtzins will, bleibt beim €STR-Tracker.
Steuern: Abgeltungssteuer, Vorabpauschale und der fehlende Teilfreistellungsvorteil
Steuerlich werden Geldmarkt-ETFs wie Zinsanlagen behandelt — und das ist ihr größter struktureller Nachteil gegenüber Aktien-ETFs. Auf die Erträge zahlst du 25 % Abgeltungssteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag darauf, zusammen 26,375 %, gegebenenfalls plus Kirchensteuer. Der entscheidende Punkt: Es gibt keine Teilfreistellung. Bei Aktien-ETFs bleiben 30 % der Erträge steuerfrei, beim Geldmarkt-ETF sind es 0 % — jeder Euro Ertrag wird voll versteuert. Aus 2,07 % vor Steuern werden so rund 1,5 % netto, sofern dein Sparerpauschbetrag von 1.000 € (2.000 € bei Zusammenveranlagung) bereits ausgeschöpft ist. Mit Freistellungsauftrag bleiben Erträge bis zu dieser Grenze komplett steuerfrei.
Bei thesaurierenden Produkten kommt die Vorabpauschale ins Spiel. Weil der Thesaurierer keine Erträge ausschüttet, besteuert der Fiskus jährlich einen fiktiven Mindestertrag. Die Rechnung: Fondswert zum Jahresbeginn mal 70 % des Basiszinses ergibt den Basisertrag. Der Basiszins lag 2025 bei 2,53 % und beträgt 2026 3,2 %. Versteuert wird der kleinere Wert aus Basisertrag und tatsächlicher Wertsteigerung des Jahres — fällig jeweils im Januar des Folgejahres, direkt vom Verrechnungskonto deines Brokers abgebucht. Beim späteren Verkauf werden bereits versteuerte Vorabpauschalen angerechnet, es entsteht also keine Doppelbesteuerung.
Ein Rechenbeispiel: Bei 50.000 € im Geldmarkt-ETF und 3,2 % Basiszins beträgt der Basisertrag 50.000 × 3,2 % × 70 % = 1.120 €. Ist der ETF im Jahr nur um 1.050 € gestiegen, wird dieser niedrigere Wert angesetzt. Darauf fallen ohne Freistellungsauftrag rund 277 € Steuer an. Praktischer Hinweis: Sorge im Januar für Deckung auf dem Verrechnungskonto — sonst muss der Broker im Zweifel Anteile verkaufen.
Geldmarkt-ETF in der Praxis: Notgroschen, Zwischenparken und Sparplan
Wofür eignet sich ein Geldmarkt-ETF konkret? Sein Kernrevier ist das Parken von Liquidität: der Notgroschen jenseits der ersten Barreserve, die angesparte Steuernachzahlung, das Eigenkapital für den Immobilienkauf in zwei Jahren oder der Erlös aus einem Depotverkauf, der auf den Wiedereinstieg wartet. Überall dort, wo Tagesgeld wegen Betragsdeckeln, auslaufenden Aktionszinsen oder der 100.000-€-Grenze an seine Grenzen stößt, spielt der ETF seine Stärken aus: Anlagesummen ohne Deckel, dauerhafter Marktzins, börsentägliche Verfügbarkeit.
Auch als Sparplan funktioniert er problemlos. Viele Broker führen die großen Overnight-ETFs sparplanfähig ab 1 € oder 25 € Monatsrate, oft ohne Ausführungsgebühr. Das eignet sich etwa, um zielgerichtet auf eine Anschaffung zu sparen, ohne das Geld dem Aktienmarktrisiko auszusetzen. Beachte allerdings die Handelskosten: Ordergebühren und der Spread zwischen Kauf- und Verkaufskurs schmälern die Rendite — bei einem Produkt, das 2 % pro Jahr liefert, fallen 1 € Ordergebühr auf eine 500-€-Order mit 0,2 % durchaus ins Gewicht. Für häufiges Hin und Her ist die Anlageklasse nicht gemacht; für Haltedauern ab einigen Monaten sind die Kosten vernachlässigbar.
Was der Geldmarkt-ETF nicht ist: ein Renditebringer für den Vermögensaufbau. Real, also nach Inflation, liegt die Rendite meist nahe null — er konserviert Kaufkraft, er vermehrt sie kaum. Der Durchschnitts-€STR von 1,31 % über die Jahre 2019 bis 2026 zeigt, dass die heutigen gut 2 % historisch eher die Ausnahme als die Regel sind. Als Baustein für Sicherheit und Flexibilität im Gesamtportfolio ist er dagegen kaum zu schlagen: Du bekommst den Zins, den sich Banken gegenseitig zahlen — transparent, täglich, ohne Kleingedrucktes.
Häufig gestellte Fragen
Wie funktioniert ein Geldmarkt-ETF?
Er bildet den Übernachtzins €STR ab — entweder über kurzlaufende Anleihen oder per Swap mit Trägerportfolio. Der Kurs steigt täglich um einen kleinen Betrag entsprechend dem aktuellen Zinsniveau.
Wie hoch ist die Rendite aktuell?
Bei einem €STR von 2,19 % (August 2026) liegen günstige Produkte nach Kosten bei rund 2,0 bis 2,1 % pro Jahr vor Steuern. Die Rendite ist variabel und folgt jeder EZB-Zinsentscheidung.
Ist ein Geldmarkt-ETF sicher? Gibt es eine Einlagensicherung?
Als Sondervermögen ist er bei Insolvenz der Fondsgesellschaft geschützt, eine gesetzliche Einlagensicherung bis 100.000 € gibt es aber nicht. Das Swap-Risiko bleibt durch tägliches Reset und Übersicherung minimal.
Kann ein Geldmarkt-ETF Verluste machen?
Ja: Bei negativem €STR — im März 2022 lag er bei −0,59 % — sinkt der Kurs langsam. Fremdwährungs-Varianten tragen zusätzlich Währungsrisiko; die USD-Klasse verlor im Kalenderjahr 2025 7,4 % in Euro.
Wie werden Geldmarkt-ETFs besteuert?
Mit 26,375 % Abgeltungssteuer inklusive Soli, gegebenenfalls plus Kirchensteuer. Es gibt keine Teilfreistellung; Thesaurierer zahlen jährlich die Vorabpauschale. Der Sparerpauschbetrag von 1.000 bzw. 2.000 € bleibt steuerfrei.
Geldmarkt-ETF oder Tagesgeld — was lohnt sich mehr?
Für kleine Beträge schlagen Neobank-Tagesgelder mit 2,25 bis 2,50 % den ETF. Bei Summen über der Einlagensicherung und ohne Lust auf Lockzins-Hopping liefert der ETF dauerhaft den marktnahen Zins.
Wann kommt die Vorabpauschale und wie hoch ist sie?
Sie wird im Januar des Folgejahres fällig. Basis ist der Fondswert zum Jahresbeginn mal 70 % des Basiszinses — 2026 beträgt er 3,2 %. Versteuert wird höchstens die tatsächliche Wertsteigerung.



