Themen in diesem Artikel:
- Was ist Tagesgeld: Erfahre, wie ein verzinstes Konto ohne Laufzeit und ohne Kündigungsfrist funktioniert.
- Zinsen und Berechnung: Verstehe die Zinsgleitklausel, tägliche Zinsberechnung und den Unterschied zwischen 0,25 % (2021) und bis zu 4,0 % (2026).
- Tagesgeld vs. Festgeld vs. Girokonto: Vergleiche Flexibilität, Zinssicherheit und Zahlungsverkehr anhand konkreter Merkmale.
- Einlagensicherung im Detail: Finde heraus, wie 100.000 € gesetzlicher Schutz, EdB-Auszahlung in 7 Werktagen und freiwillige Sicherung bis 3 Mio. € funktionieren.
- Aktionszinsen richtig einordnen: Überblick über befristete Neukundenangebote von Chase (4,0 %) bis Volkswagen Bank (2,9 %) und was danach gilt.
- Für wen lohnt sich Tagesgeld: Entdecke, warum 3–6 Netto-Monatsgehälter als Notgroschen die Expertenempfehlung sind.
Was ist ein Tagesgeldkonto? Definition und Grundprinzip
Ein Tagesgeldkonto ist ein verzinstes Bankkonto ohne feste Laufzeit, das ausschließlich der Geldanlage dient. Du kannst dein Guthaben täglich einzahlen und abheben – ohne Kündigungsfrist, ohne Wartezeit. Das klingt simpel, hat aber einige wichtige Besonderheiten, die du kennen solltest.
Der entscheidende Unterschied zum Girokonto: Das Tagesgeldkonto ist kein Zahlungsverkehrskonto. Du kannst damit keine Rechnungen bezahlen, keine Lastschriften einrichten und keine Daueraufträge an Dritte stellen. Alle Überweisungen laufen ausschließlich über ein vorab festgelegtes Referenzkonto – in der Regel dein Girokonto bei einer anderen Bank. Das ist kein Nachteil, sondern Absicht: Das Tagesgeldkonto soll Geld verwahren und verzinsen, nicht verwalten.
Das Prinzip des Referenzkontos funktioniert so: Wenn du Geld auf dein Tagesgeldkonto einzahlen möchtest, überweist du es von deinem Girokonto dorthin. Wenn du Geld brauchst, überweist du es zurück. Direktzahlungen an Dritte – etwa an einen Online-Shop oder deinen Vermieter – sind nicht möglich. Diese Einschränkung schützt dich übrigens auch: Selbst wenn jemand deine Tagesgeld-Zugangsdaten kennt, kann er das Geld nur auf dein hinterlegtes Referenzkonto überweisen, nicht auf ein fremdes Konto.
Die Kontoführung ist bei den meisten Anbietern kostenlos. Es gibt in der Regel weder eine Mindesteinlage noch eine Maximaleinlage – du kannst also mit einem Euro starten oder mehrere hunderttausend Euro parken. Die Eröffnung läuft fast immer vollständig online ab. Zur Identifikation nutzen Banken entweder das Video-Ident-Verfahren (Webcam oder Smartphone) oder das klassische PostIdent-Verfahren in einer Postfiliale.
Wichtig zu verstehen: Das Tagesgeldkonto ist ein reines Sparinstrument. Es ersetzt nicht dein Girokonto, sondern ergänzt es. Das Girokonto bleibt deine Schaltzentrale für den Alltag – das Tagesgeldkonto ist der Tresor daneben, der dein Geld sicher und verzinst aufbewahrt, bis du es brauchst.
Für wen ist das relevant? Für jeden, der Geld kurzfristig parken möchte, ohne es auf einem unverzinsten Girokonto liegen zu lassen. Wer 5.000 Euro auf dem Girokonto hat, die er in den nächsten Monaten nicht braucht, verschenkt bei einem Tagesgeldzins von 2,3 % pro Jahr rund 115 Euro – einfach weil das Geld am falschen Ort liegt.
📌 Good to know
Das Tagesgeldkonto taucht in deiner Steuererklärung auf. Zinserträge unterliegen der Abgeltungsteuer von 25 % plus Solidaritätszuschlag. Bis zum Sparerpauschbetrag von 1.000 Euro (Einzelperson) bzw. 2.000 Euro (Ehepaare) bleiben Zinsen steuerfrei – vorausgesetzt, du hast einen Freistellungsauftrag bei der Bank hinterlegt.
Wie funktionieren Tagesgeldzinsen? Berechnung, Gutschrift und Zinsgleitklausel
Die Zinsen beim Tagesgeld sind variabel. Das bedeutet: Die Bank kann den Zinssatz jederzeit nach oben oder unten anpassen – ohne deine Zustimmung einzuholen. Die rechtliche Grundlage dafür ist die sogenannte Zinsgleitklausel, die in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Bank verankert ist. Banken sind grundsätzlich nicht einmal verpflichtet, überhaupt Zinsen zu zahlen. In der Niedrigzinsphase zwischen 2016 und 2022 zahlten viele Banken tatsächlich null Prozent – oder verlangten sogar Verwahrentgelte auf hohe Guthaben.
Der wichtigste Einflussfaktor auf die Tagesgeldzinsen ist die Leitzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Wenn die EZB ihren Einlagenzins erhöht, steigen in der Regel auch die Tagesgeldzinsen – weil Banken mehr Zinsen erhalten, wenn sie Geld bei der EZB parken, und diesen Vorteil zumindest teilweise weitergeben. Umgekehrt sinken Tagesgeldzinsen, wenn die EZB die Leitzinsen senkt.
Die Zinsberechnung folgt einer einfachen Formel:
Zinsen = Zinssatz × Anlagebetrag × Laufzeit (in Tagen / 365)
Konkret: Bei 10.000 Euro und einem Zinssatz von 3,0 % p.a. erhältst du pro Tag rund 0,82 Euro Zinsen (10.000 × 0,03 / 365). Die Zinsen werden täglich auf dein aktuelles Guthaben berechnet. Die Gutschrift erfolgt je nach Anbieter monatlich, quartalsweise oder jährlich. Durch die regelmäßige Gutschrift entsteht ein geringer Zinseszinseffekt – die gutgeschriebenen Zinsen werden selbst wieder verzinst. Bei üblichen Tagesgeldzinsen fällt dieser Effekt allerdings klein aus.
Besonders wichtig ist der Unterschied zwischen Aktionszinsen und Standardzinsen. Viele Banken locken Neukunden mit befristeten Hochzinsangeboten. Diese Aktionszinsen gelten typischerweise für drei bis sechs Monate und liegen deutlich über dem dauerhaften Standardzins. Nach Ablauf der Aktionsphase fällt der Zinssatz automatisch auf das niedrigere variable Niveau – ohne dass du aktiv informiert wirst.
Tagesgeldzinsen im Vergleich: Marktdurchschnitt 2021 vs. aktuelle Angebote 2026 (in % p.a.)
Das Diagramm zeigt deutlich, wie stark sich die Zinswende ab 2022 ausgewirkt hat. Während der Marktdurchschnitt 2021 bei mageren 0,25 % p.a. lag, bieten Banken im Juni 2026 Aktionszinsen von bis zu 4,0 % p.a. – das ist das 16-Fache. Selbst die dauerhaften Standardzinsen liegen mit 2,1 bis 2,3 % weit über dem Niveau der Nullzinsphase.
Tagesgeld, Festgeld und Girokonto im Vergleich: Wann lohnt sich was?
Tagesgeld ist nicht das einzige Instrument, um Geld sicher und zinsbringend zu parken. Festgeld und Girokonto sind die direkten Alternativen – und alle drei haben ihre Daseinsberechtigung. Die Frage ist, welches Instrument zu deiner Situation passt.
Tagesgeld vs. Festgeld: Der Kernunterschied ist Flexibilität gegen Zinssicherheit. Beim Tagesgeld kannst du jederzeit auf dein Geld zugreifen – dafür kann die Bank den Zinssatz jederzeit senken. Beim Festgeld legst du einen Betrag für eine feste Laufzeit an (von einem Monat bis zu zehn Jahren) und erhältst dafür einen garantierten, unveränderlichen Zinssatz. Vorzeitige Verfügung ist beim Festgeld in der Regel nicht möglich oder mit Strafzinsen verbunden.
Wann ist Tagesgeld besser? Wenn du das Geld möglicherweise kurzfristig brauchst – etwa als Notgroschen oder für eine Anschaffung in den nächsten Monaten. Auch in einem Umfeld steigender Zinsen ist Tagesgeld vorteilhafter: Du profitierst automatisch von Zinserhöhungen, ohne neu anlegen zu müssen. Wann ist Festgeld besser? Wenn du sicher weißt, dass du das Geld für eine bestimmte Zeit nicht brauchst, und wenn du erwartest, dass die Zinsen sinken werden. Dann sicherst du dir mit Festgeld den aktuell hohen Zinssatz für die gesamte Laufzeit.
Tagesgeld vs. Girokonto: Beide sind täglich verfügbar, aber das Girokonto verzinst dein Guthaben in der Regel gar nicht oder kaum. Das Girokonto ist deine Schaltzentrale für Zahlungen, Lastschriften und Überweisungen – das Tagesgeldkonto ist der Sparstrumpf daneben. Wer größere Beträge auf dem Girokonto liegen lässt, verschenkt Zinsen.
Tagesgeld vs. ETFs und Aktien: Hier geht es um einen grundlegenden Unterschied in der Anlagephilosophie. Tagesgeld bietet Kapitalerhalt und gesetzliche Einlagensicherung – dein Einsatz ist sicher. ETFs und Aktien bieten langfristig deutlich höhere Renditechancen, aber auch Schwankungsrisiken. Ein wichtiger Punkt: Die Rendite von Tagesgeld liegt häufig unter der Inflationsrate. Wer langfristig Vermögen aufbauen will, kommt an Aktienanlagen kaum vorbei. Tagesgeld eignet sich dagegen hervorragend als Notgroschen – Experten empfehlen drei bis sechs Netto-Monatsgehälter als liquide Reserve. Dieser Betrag sollte nicht in Aktien investiert sein, weil du ihn im Notfall sofort und ohne Kursverluste abrufen können musst.
Tagesgeld dient außerdem als Zwischenparkplatz: Wenn du größere Beträge investieren möchtest, aber noch auf den richtigen Zeitpunkt wartest, parkt das Geld auf dem Tagesgeldkonto sicher und verzinst – statt unverzinst auf dem Girokonto zu liegen.
| Merkmal | Tagesgeldkonto | Festgeldkonto | Girokonto |
|---|---|---|---|
| Hauptzweck | Flexible Geldanlage, Notgroschen | Langfristige Geldanlage | Täglicher Zahlungsverkehr |
| Verfügbarkeit | Täglich, jederzeit | Erst nach Laufzeitende | Jederzeit |
| Laufzeit | Keine (unbefristet) | Fest (1 Monat bis 10 Jahre) | Keine |
| Zinsen | Variabel, jederzeit änderbar | Fix über gesamte Laufzeit | Keine oder sehr gering |
| Zahlungsverkehr | Nicht möglich | Nicht möglich | Kernfunktion |
| Gebühren | In der Regel keine | In der Regel keine | Oft monatliche Gebühr |
| Einlagensicherung | Ja, bis 100.000 € | Ja, bis 100.000 € | Ja, bis 100.000 € |
| Planungssicherheit Zins | Gering (variabel) | Hoch (fix) | Entfällt |
| Geeignet für | Notgroschen, kurzfristige Ziele | Mittelfristige Ziele | Alltag, Gehaltseingang |
Einlagensicherung beim Tagesgeld: Wie sicher ist dein Geld?
Tagesgeld gilt als eine der sichersten Anlageformen überhaupt – und das aus gutem Grund. Dein Guthaben ist durch ein mehrstufiges Sicherungssystem geschützt, das in der EU gesetzlich verankert ist.
Die Basis bildet die gesetzliche Einlagensicherung: Bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank sind EU-weit geschützt. Die Rechtsgrundlage ist die EU-Richtlinie 2014/49/EU, die in allen Mitgliedstaaten harmonisiert gilt. Wichtig: Der Schutz gilt pro Bank, nicht pro Konto. Wenn du bei einer Bank zwei Tagesgeldkonten hast, werden beide zusammengerechnet. Hast du dagegen Konten bei zwei verschiedenen Banken, gilt der Schutz von 100.000 Euro für jede Bank separat.
Bei Gemeinschaftskonten – etwa wenn Eheleute gemeinsam ein Konto führen – verdoppelt sich der Schutz auf 200.000 Euro, weil jeder Kontoinhaber einen eigenen Anspruch hat.
Tagesgeld gilt ausdrücklich als „Einlage“ im Sinne des Einlagensicherungsgesetzes (EinSiG). Das ist ein wichtiger Unterschied zu Aktien, Anleihen oder Zertifikaten: Diese sind keine Einlagen und damit nicht durch die Einlagensicherung geschützt. Wenn deine Bank pleitegeht und du Aktien im Depot hast, sind diese zwar durch die Anlegerentschädigung abgesichert – aber das ist ein anderes System mit anderen Grenzen.
Es gibt auch einen erhöhten Schutz bis zu 500.000 Euro – aber nur in bestimmten Lebenssituationen. Wenn du gerade eine Immobilie verkauft hast, eine Erbschaft erhalten hast, geheiratet oder dich scheiden lassen hast, greift dieser erhöhte Schutz. Er gilt jedoch nur für sechs Monate nach Eingang des Betrags auf deinem Konto. Danach fällt der Schutz auf die regulären 100.000 Euro zurück.
Was passiert konkret, wenn eine Bank insolvent wird? Die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) stellt den Entschädigungsfall fest. Für Privatbanken ist die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken GmbH (EdB) zuständig. Sie zahlt das gesicherte Guthaben innerhalb von 7 Werktagen auf ein von dir angegebenes Konto aus. Du musst keinen gesonderten Antrag stellen – aber du musst deinen Anspruch innerhalb von einem Jahr nach der schriftlichen Benachrichtigung durch die EdB anmelden, sonst verfällt er.
Sparkassen und Volksbanken bzw. Genossenschaftsbanken funktionieren anders: Sie haben eigene institutsbezogene Sicherungseinrichtungen (Institutssicherung). Diese sollen verhindern, dass ein Mitgliedsinstitut überhaupt insolvent wird – indem der Verbund im Krisenfall einspringt. Historisch ist noch keine Sparkasse oder Volksbank in Deutschland insolvent gegangen.
Über die gesetzliche Pflichtabsicherung hinaus gibt es die freiwillige Einlagensicherung des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Ab 2025 schützt dieser Fonds mindestens 438.000 Euro pro Kunde – das entspricht 8,75 % des haftenden Eigenkapitals der jeweiligen Bank. Bei größeren Banken liegt der Schutz deutlich höher: Für Privatsparer sind ab 2025 bis zu 3 Millionen Euro abgesichert; ab 2030 soll dieser Betrag auf 1 Million Euro abgesenkt werden. Wichtig: Diese freiwillige Sicherung ist nicht gesetzlich garantiert. Sie ist eine Selbstverpflichtung der Mitgliedsbanken – und kann im Extremfall auch nicht greifen.
💡 Tip
Wenn du mehr als 100.000 Euro anlegen möchtest, verteile das Geld auf mehrere Banken. So nutzt du die gesetzliche Einlagensicherung mehrfach und bist auch bei einem Bankenausfall vollständig abgesichert – ohne auf die freiwillige Sicherung angewiesen zu sein.
Aktionszinsen und Standardzinsen: Neukundenangebote richtig einordnen
Wer Tagesgeldangebote vergleicht, stößt schnell auf verlockende Zahlen: 4,0 % p.a., 3,6 % p.a., 3,45 % p.a. – das klingt attraktiv. Aber diese Zinssätze gelten fast immer nur befristet und ausschließlich für Neukunden. Wer die Spielregeln nicht kennt, landet nach wenigen Monaten bei einem deutlich niedrigeren Zinssatz, ohne es zu merken.
Stand Juni 2026 bieten mehrere Banken folgende Aktionszinsen für Neukunden:
- Chase: 4,0 % p.a. – befristet auf 4 Monate
- 1822direkt: 3,6 % p.a. – befristet auf 6 bis 12 Monate
- Advanzia: 3,45 % p.a. – befristet auf 3 Monate
- Volkswagen Bank: 2,9 % p.a. – befristet auf 6 Monate
Zum Vergleich: Die dauerhaften Standardzinsen liegen deutlich niedriger. Die Ayvens Bank zahlt aktuell 2,3 % p.a. unbefristet, die Gefa Bank 2,11 % p.a. Das ist immer noch ordentlich – aber eben nicht das, was die Werbung verspricht.
Was passiert nach Ablauf der Aktionsphase? Der Zinssatz fällt automatisch auf den variablen Standardzins der Bank. Viele Banken informieren dich darüber per E-Mail – aber nicht alle. Wer nicht aufpasst, lässt Geld liegen. Aus 4,0 % werden plötzlich 1,5 % oder weniger, ohne dass sich am Konto selbst etwas geändert hat.
Manche Sparer verfolgen deshalb die Strategie des sogenannten „Hoppings“: Sie wechseln regelmäßig zur nächsten Bank mit dem besten Aktionsangebot, sobald die aktuelle Aktionsphase ausläuft. Das klingt clever – und kann sich rechnen. Aber der Aufwand ist nicht zu unterschätzen: Jedes Mal musst du ein neues Konto eröffnen, dich identifizieren, das Referenzkonto hinterlegen und das Geld transferieren. Außerdem gibt es Banken, die Aktionszinsen nur einmal pro Kunde gewähren – auch wenn du Jahre später zurückkommst, giltst du nicht mehr als Neukunde.
Worauf solltest du beim Vergleich von Tagesgeldangeboten achten? Erstens: Befristung – wie lange gilt der Aktionszins? Zweitens: Mindest- und Maximaleinlage – manche Aktionszinsen gelten nur bis zu einem bestimmten Betrag (z. B. 50.000 Euro). Drittens: Einlagensicherung des Anbieters – ist die Bank in Deutschland oder einem anderen EU-Land reguliert? Die gesetzliche Einlagensicherung gilt EU-weit, aber die Abwicklung im Ernstfall kann je nach Land unterschiedlich schnell gehen. Viertens: Standardzins nach der Aktion – wie hoch ist der dauerhafte Zinssatz, wenn du das Konto langfristig behalten willst?
Für Sparer, die keinen Aufwand betreiben wollen, sind unbefristete Standardzinsen relevanter als Aktionszinsen. Ein Standardzins von 2,3 % p.a. auf 20.000 Euro bringt 460 Euro im Jahr – ohne Konto-Hopping, ohne Aufwand, dauerhaft.
Für wen lohnt sich ein Tagesgeldkonto? Typische Anwendungsfälle
Tagesgeld ist kein Allheilmittel für den Vermögensaufbau – aber für bestimmte Zwecke ist es kaum zu schlagen. Die entscheidende Frage ist: Was willst du mit dem Geld erreichen, und wann brauchst du es möglicherweise?
Der klassischste Anwendungsfall ist der Notgroschen. Finanzexperten empfehlen einhellig, drei bis sechs Netto-Monatsgehälter als liquide Reserve vorzuhalten. Wenn du 2.500 Euro netto verdienst, sollten also 7.500 bis 15.000 Euro jederzeit verfügbar sein – für Autoreparaturen, Zahnarztkosten, Jobverlust oder andere unvorhergesehene Ausgaben. Dieses Geld darf nicht in Aktien oder ETFs stecken, weil du es im schlechtesten Moment abrufen müsstest – vielleicht genau dann, wenn die Kurse im Keller sind. Das Tagesgeldkonto ist der ideale Ort für diesen Betrag: sicher, verzinst, täglich verfügbar.
Der zweite große Anwendungsfall sind kurzfristige Sparziele. Du planst einen Urlaub in acht Monaten, willst ein neues Fahrrad kaufen oder sparst für eine Einbauküche? Dann ist Tagesgeld besser als das Girokonto – du bekommst Zinsen, ohne auf Flexibilität zu verzichten. Für solche Ziele mit einem Zeithorizont von wenigen Monaten bis zu zwei Jahren ist Tagesgeld die richtige Wahl.
Tagesgeld eignet sich auch hervorragend als Zwischenparkplatz. Wenn du eine größere Summe investieren möchtest – etwa nach dem Verkauf einer Immobilie oder nach einer Erbschaft – aber noch nicht weißt, wohin das Geld langfristig soll, parkt es auf dem Tagesgeldkonto. Es liegt nicht unverzinst auf dem Girokonto, ist aber jederzeit verfügbar, sobald du dich entschieden hast. Gerade bei Beträgen über 100.000 Euro lohnt es sich, das Geld auf mehrere Banken zu verteilen, um die gesetzliche Einlagensicherung voll auszuschöpfen.
Für sicherheitsorientierte Anleger, die keine Kursschwankungen akzeptieren wollen, ist Tagesgeld eine der wenigen Optionen, die Rendite ohne Risiko bieten. Der Kapitalerhalt ist durch die Einlagensicherung garantiert – im Gegensatz zu Anleihen, Fonds oder Aktien.
Weniger geeignet ist Tagesgeld für den langfristigen Vermögensaufbau. Das Problem: Die Rendite liegt häufig unter der Inflationsrate. Wenn die Inflation bei 3 % liegt und dein Tagesgeld 2,3 % abwirft, verliert dein Geld real an Kaufkraft – auch wenn der nominale Betrag auf dem Konto wächst. Wer über einen Zeitraum von zehn, zwanzig oder dreißig Jahren Vermögen aufbauen will, kommt an Aktienanlagen nicht vorbei. Tagesgeld und Aktien-ETFs schließen sich dabei nicht aus – sie ergänzen sich. Das Tagesgeld sichert die Liquiditätsreserve, der ETF-Sparplan baut langfristig Vermögen auf.
Zusammengefasst: Tagesgeld lohnt sich für jeden, der Geld sicher und flexibel parken will – als Notgroschen, für kurzfristige Ziele oder als Zwischenstation. Es lohnt sich nicht als alleinige Anlagestrategie für den Ruhestand.
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein Tagesgeldkonto und wie funktioniert es?
Ein Tagesgeldkonto ist ein verzinstes Bankkonto ohne feste Laufzeit. Du kannst täglich einzahlen und abheben – ausschließlich über ein verknüpftes Referenzkonto. Zinsen werden täglich berechnet und monatlich, quartalsweise oder jährlich gutgeschrieben. Die Kontoführung ist kostenlos, eine Mindesteinlage gibt es meist nicht.
Kann die Bank den Tagesgeldzins einfach senken?
Ja. Aufgrund der Zinsgleitklausel in den AGB können Banken den Zinssatz jederzeit anpassen – nach oben wie nach unten. Banken sind grundsätzlich nicht verpflichtet, überhaupt Zinsen zu zahlen. Der Zinssatz orientiert sich maßgeblich am EZB-Leitzins.
Wie sicher ist Tagesgeld bei einer Bankenpleite?
Sehr sicher: Die gesetzliche Einlagensicherung schützt bis zu 100.000 Euro pro Person und Bank EU-weit. Die BaFin stellt den Entschädigungsfall fest, die EdB zahlt innerhalb von 7 Werktagen aus. Ansprüche müssen innerhalb eines Jahres schriftlich angemeldet werden.
Was ist der Unterschied zwischen Aktionszins und Standardzins?
Aktionszinsen sind befristete Neukundenangebote – typisch drei bis sechs Monate – mit überdurchschnittlich hohen Zinssätzen (aktuell bis 4,0 % p.a.). Nach Ablauf gilt der niedrigere variable Standardzins. Für Daueranleger sind unbefristete Standardzinsen wie 2,3 % p.a. relevanter.
Wie viel Geld sollte ich auf dem Tagesgeldkonto haben?
Experten empfehlen drei bis sechs Netto-Monatsgehälter als Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto. Dieser Betrag deckt unvorhergesehene Ausgaben ab und sollte nicht in Aktien investiert sein, da er jederzeit ohne Kursverluste verfügbar sein muss.
Kann ich mit dem Tagesgeldkonto direkt Rechnungen bezahlen?
Nein. Das Tagesgeldkonto ist kein Zahlungsverkehrskonto. Überweisungen sind ausschließlich auf das hinterlegte Referenzkonto möglich – in der Regel dein Girokonto. Lastschriften, Daueraufträge an Dritte oder direkte Zahlungen sind nicht möglich.
Lohnt sich Tagesgeld für den langfristigen Vermögensaufbau?
Nur bedingt. Die Rendite liegt häufig unter der Inflationsrate, sodass das Geld real an Kaufkraft verliert. Für den langfristigen Vermögensaufbau über zehn oder mehr Jahre sind Aktien-ETFs besser geeignet. Tagesgeld eignet sich als Notgroschen und für kurzfristige Sparziele.



