Vorschusszinsen: Sparkonto vorzeitig kündigen – Kosten & Berechnung 2026

Das Wichtigste in Kürze:

Wer sein Sparkonto vorzeitig kündigt oder mehr als 2.000 Euro pro Monat abhebt, zahlt Vorschusszinsen. Doch wie hoch sind diese Kosten wirklich? Dieser Artikel erklärt die Formel, zeigt drei konkrete Rechenbeispiele, nennt alle gesetzlichen Ausnahmen und vergleicht Sparkonto, Tagesgeld und Festgeld – damit du die richtige Entscheidung triffst.

Vorschusszinsen

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Themen in diesem Artikel:

Was sind Vorschusszinsen? Definition und rechtliche Grundlagen

Vorschusszinsen fallen an, wenn du dein Sparkonto vorzeitig kündigst oder ohne Einhaltung der Kündigungsfrist Geld abhebst. Der Begriff klingt nach Zinsen – ist aber keiner. Es handelt sich um eine Gebühr, die die Bank für die ungeplante Liquiditätsbereitstellung erhebt. Du zwingst die Bank gewissermaßen, kurzfristig Geld bereitzustellen, das sie eigentlich anders eingeplant hatte.

Historisch war das anders geregelt. Bis zum 30. Juni 1993 schrieb der damalige § 22 Abs. 3 des Kreditwesengesetzes (KWG a. F.) ausdrücklich vor, dass Sollzinsen die Habenzinsen um mindestens ein Viertel übersteigen müssen. Das war die gesetzliche Grundlage für Vorschusszinsen. Mit dem Wegfall der Sparverkehrsvorschriften 1993 – konkret durch die Aufhebung von § 21 Abs. 4 der Rechnungslegungsverordnung für Kreditinstitute (RechKredV) – entfiel diese gesetzliche Pflicht vollständig.

Heute gibt es keine gesetzliche Verpflichtung mehr zur Erhebung von Vorschusszinsen. Jede Bank regelt das individuell in ihren Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) oder den spezifischen Vertragsbedingungen für das Sparkonto. Das bedeutet: Ob und wie hoch Vorschusszinsen anfallen, steht im Kleingedruckten deines Sparvertrags. Du solltest diesen Abschnitt kennen, bevor du eine vorzeitige Abhebung planst.

Ein weiterer wichtiger Punkt: Du hast keinen Rechtsanspruch auf vorzeitige Rückzahlung deiner Spareinlage. Die Bank kann eine vorzeitige Auszahlung schlicht ablehnen. Stimmt sie zu, darf sie Vorschusszinsen verlangen. Das ist keine Willkür, sondern vertraglich vereinbart und von der Finanzaufsicht so akzeptiert. In der Praxis lehnen Banken vorzeitige Abhebungen selten komplett ab – aber sie sind dazu berechtigt.

Der übliche Vorschusszinsfaktor liegt branchenweit bei 25 Prozent des aktuellen Guthabenzinses. Dieser Wert ist kein Zufall: Er entspricht dem historisch gesetzlich vorgeschriebenen Mindestsatz. Einzelne Institute erheben auch 50 Prozent des Guthabenzinses. Welcher Satz für dein Konto gilt, steht im Preisaushang der kontoführenden Stelle – der muss öffentlich zugänglich sein.

Wichtig für die Praxis: Vorschusszinsen werden nicht auf den gesamten Kontostand berechnet, sondern nur auf den sogenannten Überbetrag. Das ist der Teil deiner Abhebung, der über den monatlichen Freibetrag hinausgeht. Wie dieser Freibetrag funktioniert, erklärt der nächste Abschnitt im Detail.

📌 Good to know

Vorschusszinsen sind steuerlich nicht als Zinsaufwand absetzbar – sie gelten als Vertragsgebühr. Das spielt bei den typisch niedrigen Beträgen zwar kaum eine Rolle, ist aber gut zu wissen.

Wann fallen Vorschusszinsen an? Kündigungsfristen und Freibetrag

Die gesetzliche Mindestkündigungsfrist für Sparkonten in Deutschland beträgt drei Kalendermonate. Das gilt für alle klassischen Sparkonten, unabhängig von der Bank. Vertraglich können längere Fristen vereinbart werden – bei älteren Sparbüchern aus den 1980er- oder 1990er-Jahren findet man manchmal Fristen von sechs oder zwölf Monaten. Wer diese Frist nicht einhält, riskiert Vorschusszinsen.

Konkret entstehen Vorschusszinsen in zwei Situationen:

  • Du hebst in einem Kalendermonat mehr als den Freibetrag ab, ohne vorher gekündigt zu haben.
  • Du löst dein Sparkonto vollständig auf, ohne die Kündigungsfrist einzuhalten.

Der entscheidende Puffer ist der monatliche Freibetrag von 2.000 Euro. Bis zu diesem Betrag kannst du pro Kalendermonat jederzeit und ohne jede Vorschusszinspflicht abheben – ganz egal, ob du gekündigt hast oder nicht. Dieser Freibetrag gilt für Sparkonten mit der gesetzlichen dreimonatigen Kündigungsfrist. Vorschusszinsen fallen ausschließlich auf den Betrag an, der diesen Freibetrag übersteigt.

Ein Beispiel: Du hebst im Juli 5.000 Euro ab. Davon sind 2.000 Euro frei. Vorschusszinsen werden nur auf die verbleibenden 3.000 Euro berechnet. Das nennt sich Überbetrag.

Besondere Regelung für Zinsgutschriften: Über gutgeschriebene Zinsen kannst du innerhalb von zwei Monaten nach Wertstellung vorschusszinsfrei verfügen. Das hat der Bundesgerichtshof in seinem Urteil XI ZR 30/16 vom 20. März 2018 klargestellt. Nach Ablauf dieser zwei Monate unterliegen auch die Zinsen den normalen Kündigungsregeln – sie werden dann wie normales Sparguthaben behandelt.

Vorschusszinsen werden für den Zeitraum berechnet, um den du die Kündigungsfrist nicht eingehalten hast. Hebst du sofort und ohne jede Vorankündigung ab, werden Vorschusszinsen für die volle Kündigungsfrist berechnet – also für 90 Tage bei dreimonatiger Frist. Hast du bereits einen Monat vorher gekündigt, fehlen noch zwei Monate – Vorschusszinsen fallen dann nur für 60 Tage an.

Es gibt eine wichtige Obergrenze: Vorschusszinsen werden maximal für 2,5 Jahre berechnet, selbst wenn die vereinbarte Kündigungsfrist länger ist. Das schützt Sparer mit sehr langen Vertragslaufzeiten vor unverhältnismäßig hohen Gebühren.

Noch ein praktischer Hinweis: Wenn du einen Betrag fristgerecht kündigst, ihn aber nicht innerhalb eines Monats nach Fälligkeit abhebst, setzt sich der Sparvertrag automatisch mit der bisherigen Kündigungsfrist fort. Die Bank bestätigt das schriftlich. Du musst dann erneut kündigen, wenn du das Geld doch noch haben möchtest.

Vorschusszinsen berechnen: Formel, Methode und Praxisbeispiele

Die Berechnung von Vorschusszinsen folgt einer klaren Formel. Du brauchst vier Werte: den Überbetrag, den Guthabenzinssatz, den Vorschusszinsfaktor und die Anzahl der Vorschusszinstage.

Vorschusszinsen = (Überbetrag × Guthabenzinssatz × Vorschusszinsfaktor × Vorschusszinstage) / 360

Die einzelnen Bestandteile im Überblick:

  • Überbetrag: Abhebungsbetrag minus 2.000 Euro Freibetrag
  • Guthabenzinssatz: Der aktuelle Zinssatz deines Sparkontos (z. B. 1,5 % = 0,015)
  • Vorschusszinsfaktor: Üblicherweise 0,25 (25 % des Guthabenzinses), seltener 0,50
  • Vorschusszinstage: Tage bis zum Ablauf der Kündigungsfrist
  • Divisor 360: Deutsche Zinsmethode (30/360) – jeder Monat zählt als 30 Tage, jedes Jahr als 360 Tage

Die deutsche Zinsmethode 30/360 hat eine Besonderheit: Der 30. und der 31. eines Monats gelten als ein einziger Zinstag. Angefangene Monate werden mit der tatsächlichen Tageszahl gezählt. Das ist wichtig, wenn du mitten im Monat abhebst.

Drei konkrete Rechenbeispiele

Parameter Beispiel 1 Beispiel 2 Beispiel 3
Abhebungsbetrag 5.000 € 10.000 € 3.000 €
Freibetrag 2.000 € 2.000 € 2.000 €
Überbetrag 3.000 € 8.000 € 1.000 €
Guthabenzins p. a. 1,5 % 2,0 % 1,0 %
Vorschusszinsfaktor 25 % 25 % 25 %
Vorschusszinstage 90 Tage 56 Tage ca. 7 Tage
Vorschusszinsen 2,81 € 6,22 € ca. 0,07 €

Beispiel 1 zeigt den Standardfall: Du hebst 5.000 Euro sofort ab, ohne vorher zu kündigen. Die volle dreimonatige Frist (90 Tage) wird berechnet. Ergebnis: (3.000 × 0,015 × 0,25 × 90) / 360 = 2,81 Euro.

Beispiel 2 zeigt eine größere Abhebung mit bereits teilweise eingehaltener Frist: 10.000 Euro, aber du hast schon einen Monat vorher gekündigt – es fehlen noch 56 Tage. Ergebnis: (8.000 × 0,02 × 0,25 × 56) / 360 = 6,22 Euro.

Beispiel 3 ist besonders aufschlussreich: Du hebst am 20. des Monats 3.000 Euro ab. Bis Monatsende sind es noch etwa 7 Tage. Überbetrag: 1.000 Euro. Ergebnis: (1.000 × 0,01 × 0,25 × 7) / 360 = ca. 0,07 Euro – sieben Cent.

Zum Vergleich: Die Sparkasse Lübeck weist in ihren veröffentlichten Bedingungen (Stand Januar 2024) einen Vorschusszinssatz von 0,025 Prozent pro Jahr aus. Das entspricht 0,00625 Euro pro 100 Euro nicht gekündigtem Betrag bei dreimonatiger Frist. Die absoluten Beträge sind in der aktuellen Niedrigzinsumgebung also verschwindend gering.

💡 Tip

Wenn du weißt, dass du in zwei Monaten Geld brauchst, kündige sofort. Dann zahlst du nur für den einen fehlenden Monat Vorschusszinsen – statt für die vollen drei Monate. Bei 5.000 Euro und 1,5 % Guthabenzins sparst du damit rund 1,87 Euro. Klingt wenig – aber das Prinzip zählt.

Aktuelle Sparbuchzinsen und was Vorschusszinsen wirklich kosten

Der durchschnittliche Sparbuchzins in Deutschland lag im Dezember 2025 bei gerade einmal 0,33 Prozent pro Jahr. Die Spanne reicht von 0,0 Prozent bei einigen Instituten bis zu 2,0 Prozent bei den besten Anbietern. Zum Vergleich: Tagesgeldkonten bieten aktuell bis zu 3,5 Prozent pro Jahr – ohne jede Kündigungsfrist.

Was bedeutet das für Vorschusszinsen? Ganz einfach: Bei einem Guthabenzins von 0,33 Prozent und einem Vorschusszinsfaktor von 25 Prozent ergibt sich ein effektiver Vorschusszinssatz von gerade einmal 0,0825 Prozent pro Jahr. Auf 3.000 Euro Überbetrag über 90 Tage gerechnet: Das sind 0,62 Euro. Weniger als ein Kaugummi.

Viele Sparer fürchten hohe Kosten bei der vorzeitigen Kündigung ihres Sparkontos. Diese Angst ist in der aktuellen Zinslandschaft weitgehend unbegründet. Der psychologische Effekt übersteigt die tatsächliche finanzielle Belastung bei weitem. Selbst bei einem der besser verzinsten Sparbücher mit 2,0 Prozent und einer Abhebung von 10.000 Euro über die volle dreimonatige Frist beträgt die Gebühr nur 12,50 Euro.

Was dagegen wirklich ins Gewicht fällt, sind die Opportunitätskosten. Wer 20.000 Euro auf einem Sparbuch mit 0,33 Prozent liegen hat, statt auf einem Tagesgeldkonto mit 3,5 Prozent, verliert jährlich rund 634 Euro an Zinserträgen. Das ist das 500-fache typischer Vorschusszinsen. Die Entscheidung, ob du dein Sparkonto auflöst, sollte also nicht an Vorschusszinsen scheitern – sondern an der Frage, wohin das Geld danach fließt.

Sparbuchzinsen-Spanne in Deutschland (Dez. 2025) vs. Tagesgeld

% p. a. 0,0 1,0 2,0 3,0 4,0 0,0 % Minimum 0,33 % Durchschnitt 2,0 % Maximum 3,5 % Tagesgeld (Vergleich)
Sparbuchzinsen-Spanne in Deutschland (Dezember 2025). Tagesgeld-Höchstzins zum Vergleich (Juni 2026). Alle Angaben in % p. a.

Das Diagramm macht den Unterschied deutlich: Selbst das beste Sparbuch mit 2,0 Prozent liegt weit unter dem Tagesgeld-Höchstzins von 3,5 Prozent. Der Durchschnittswert von 0,33 Prozent ist kaum sichtbar. Wer also ein Sparkonto mit Durchschnittszins hält und gleichzeitig Tagesgeld-Zinsen entgehen lässt, zahlt dafür einen viel höheren Preis als durch Vorschusszinsen je entstehen könnte.

Die eigentliche Frage ist also nicht: „Wie viel kosten mich Vorschusszinsen?“ Sondern: „Was kostet mich das Festhalten am Sparkonto im Vergleich zu besseren Alternativen?“

Ausnahmen: Wann entfallen Vorschusszinsen?

Es gibt mehrere klar definierte Situationen, in denen keine Vorschusszinsen anfallen – entweder weil die Bank gesetzlich oder vertraglich darauf verzichten muss, oder weil sie es branchenüblich freiwillig tut. Diese Ausnahmen kennst du am besten, bevor du zur Bank gehst.

1. Monatlicher Freibetrag (2.000 Euro)
Das ist die wichtigste und am häufigsten genutzte Ausnahme. Bis zu 2.000 Euro pro Kalendermonat kannst du jederzeit und ohne jede Gebühr abheben. Dieser Freibetrag gilt pro Monat – nicht kumulierbar. Wer also 6.000 Euro braucht, kann über drei Monate je 2.000 Euro abheben, ohne einen Cent Vorschusszinsen zu zahlen.

2. Wirtschaftliche Notlage
Viele Banken verzichten auf Vorschusszinsen, wenn du dich in einer wirtschaftlichen Notlage befindest – etwa bei nachgewiesener Arbeitslosigkeit oder längerer schwerer Krankheit. Das ist keine gesetzliche Pflicht, aber branchenübliche Praxis. Du musst die Notlage in der Regel nachweisen, zum Beispiel durch einen Bescheid der Agentur für Arbeit oder ein ärztliches Attest.

3. Tod des Kontoinhabers
Wenn ein Kontoinhaber verstirbt, können die Erben das Guthaben in der Regel ohne Vorschusszinsen auszahlen lassen. Die Bank verlangt dafür üblicherweise einen Erbschein oder ein notarielles Testament sowie einen Personalausweis. Die Auszahlung erfolgt dann ohne Abzüge für nicht eingehaltene Kündigungsfristen.

4. Kauf von Wertpapieren mit ausreichender Laufzeit
Wenn du das abgehobene Geld unmittelbar zum Kauf von Wertpapieren verwendest, deren Laufzeit mindestens der Kündigungsfrist der Spareinlage entspricht, entfallen Vorschusszinsen. Die Logik dahinter: Das Geld bleibt gebunden – nur in einem anderen Produkt. Diese Ausnahme ist in vielen Bankbedingungen explizit aufgeführt.

5. Zinsgutschriften innerhalb von zwei Monaten
Über gutgeschriebene Zinsen kannst du innerhalb von zwei Monaten nach Wertstellung vorschusszinsfrei verfügen. Das gilt unabhängig von der Höhe der Zinsgutschrift und der vereinbarten Kündigungsfrist. Nach Ablauf dieser Frist werden die Zinsen wie normales Sparguthaben behandelt.

6. Erbauseinandersetzungen
Bei Erbauseinandersetzungen – wenn also mehrere Erben das Guthaben aufteilen müssen – verzichten viele Institute auf Vorschusszinsen. Das ist jedoch nicht einheitlich geregelt und hängt von den jeweiligen Bankbedingungen ab. Im Zweifelsfall lohnt sich ein direktes Gespräch mit der Bank.

Zusätzlich gibt es eine praktische Strategie, die keine Ausnahme im rechtlichen Sinne ist, aber denselben Effekt hat: Abhebungen über mehrere Monate strecken. Wer 8.000 Euro braucht, kann vier Monate lang je 2.000 Euro abheben – komplett kostenfrei. Das erfordert etwas Planung, spart aber jeden Cent Vorschusszinsen.

Sparkonto, Tagesgeld oder Festgeld: Welches Konto passt zu dir?

Die Diskussion um Vorschusszinsen führt unweigerlich zur größeren Frage: Ist das Sparkonto überhaupt noch das richtige Produkt für dich? Ein direkter Vergleich der drei häufigsten Sparformen hilft bei der Entscheidung.

Merkmal Sparkonto Tagesgeldkonto Festgeldkonto
Kündigungsfrist 3 Monate (Minimum) Keine Feste Laufzeit
Freibetrag ohne Kündigung 2.000 €/Monat Unbegrenzt Keiner
Vorschusszinsen möglich Ja Nein Nein (aber Zinsverlust)
Vorzeitige Kündigung Ausnahmsweise möglich Jederzeit Nur bei wichtigem Grund
Zinsniveau (2025/26) 0,0–2,0 % p. a. bis 3,5 % p. a. Variabel, oft höher als Sparbuch
Einlagensicherung bis 100.000 € bis 100.000 € bis 100.000 €

Das Sparkonto ist heute vor allem noch ein Gewohnheitsprodukt. Millionen Deutsche haben es seit Jahrzehnten, weil es früher das Standard-Sparinstrument war. Zinsmäßig bietet es kaum noch Vorteile gegenüber dem Tagesgeld – und die Kündigungsfrist schränkt die Flexibilität ein. Der einzige echte Vorteil: Der Freibetrag von 2.000 Euro pro Monat gibt dir eine gewisse Liquidität, ohne dass du das Konto auflösen musst.

Das Tagesgeldkonto ist für die meisten Sparer die bessere Alternative. Du kannst täglich über dein gesamtes Guthaben verfügen, ohne Fristen oder Gebühren. Die Zinsen liegen aktuell deutlich über dem Sparbuchdurchschnitt. Einziger Nachteil: Die Zinsen sind variabel und können jederzeit gesenkt werden. Wer heute 3,5 Prozent bekommt, kann in sechs Monaten weniger erhalten.

Das Festgeldkonto eignet sich, wenn du einen festen Betrag für eine definierte Zeit anlegen willst und sicher weißt, dass du das Geld nicht vorzeitig brauchst. Die Zinsen sind für die Laufzeit garantiert – das ist der Hauptvorteil. Dafür gibt es keine Möglichkeit, vorzeitig an das Geld zu kommen, außer in Ausnahmefällen wie Tod, Insolvenz der Bank oder nachgewiesener Arbeitslosigkeit. Beim Festgeld gibt es keine Vorschusszinsen im klassischen Sinne – aber du verlierst unter Umständen einen Teil der vereinbarten Zinsen, wenn die Bank eine vorzeitige Auflösung ausnahmsweise akzeptiert.

Alle drei Kontoformen sind durch die gesetzliche Einlagensicherung bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Institut abgesichert. Das gilt für alle Banken in der EU. Wer mehr als 100.000 Euro anlegen möchte, sollte das Geld auf mehrere Institute verteilen.

Fazit für die Praxis: Wenn du ein altes Sparbuch mit 0,33 Prozent Zinsen hast und regelmäßig Geld brauchst, ist ein Tagesgeldkonto die sinnvollere Wahl. Die Vorschusszinsen beim Auflösen des Sparkontos sind minimal – die entgangenen Zinsen über die nächsten Jahre dagegen erheblich. Wer dagegen einen größeren Betrag für mindestens 12 Monate sicher parken will, sollte Festgeld in Betracht ziehen.

📌 Good to know

Beim Wechsel vom Sparkonto zum Tagesgeld musst du keine Angst vor hohen Vorschusszinsen haben. Bei einem typischen Sparbuch mit 0,33 % Guthabenzins und 10.000 Euro Guthaben betragen die Vorschusszinsen bei sofortiger Auflösung maximal rund 2 Euro – der Zinsvorteil durch Tagesgeld amortisiert das in wenigen Stunden.

Häufig gestellte Fragen

Was sind Vorschusszinsen und warum werden sie erhoben?

Vorschusszinsen sind eine Gebühr für die vorzeitige Verfügung über Spareinlagen ohne Einhaltung der Kündigungsfrist. Sie kompensieren die Bank für die ungeplante Liquiditätsbereitstellung. Seit 1993 sind sie nicht mehr gesetzlich vorgeschrieben, sondern individuell in den AGB der jeweiligen Bank geregelt.

Wie viel Geld kann ich ohne Vorschusszinsen vom Sparkonto abheben?

Bei Sparkonten mit dreimonatiger Kündigungsfrist kannst du bis zu 2.000 Euro pro Kalendermonat jederzeit und ohne Vorschusszinsen abheben. Dieser Freibetrag gilt pro Monat und ist nicht auf andere Monate übertragbar.

Wie hoch sind Vorschusszinsen konkret?

In der Regel 25 Prozent des aktuellen Guthabenzinses, berechnet auf den Überbetrag über dem Freibetrag von 2.000 Euro. Bei einem Guthabenzins von 1,5 Prozent und 3.000 Euro Überbetrag über 90 Tage beträgt die Gebühr rund 2,81 Euro – ein sehr geringer Betrag.

Besteht ein Rechtsanspruch auf vorzeitige Rückzahlung meines Sparkontos?

Nein. Die Bank kann eine vorzeitige Rückzahlung ablehnen. Stimmt sie zu, darf sie Vorschusszinsen verlangen. In der Praxis lehnen Banken vorzeitige Abhebungen selten ab, sind aber rechtlich dazu berechtigt.

Wie kann ich Vorschusszinsen legal vermeiden?

Du kannst den monatlichen Freibetrag von 2.000 Euro nutzen und Abhebungen über mehrere Monate strecken. Alternativ kannst du drei Monate im Voraus kündigen oder auf ein Tagesgeldkonto wechseln, das keine Kündigungsfristen kennt.

Wie lange werden Vorschusszinsen maximal berechnet?

Vorschusszinsen werden maximal für 2,5 Jahre berechnet, auch wenn die vereinbarte Kündigungsfrist länger ist. Das schützt Sparer mit sehr langen Vertragslaufzeiten vor unverhältnismäßig hohen Gebühren.

Ist das Sparkonto heute noch sinnvoll oder besser Tagesgeld?

Für die meisten Sparer ist Tagesgeld sinnvoller: keine Kündigungsfrist, volle Flexibilität und aktuell bis zu 3,5 Prozent Zinsen gegenüber durchschnittlich 0,33 Prozent beim Sparbuch. Die Vorschusszinsen beim Auflösen eines Sparkontos sind minimal und kein Hinderungsgrund für einen Wechsel.


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